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Handlungsräume
Handlungsräume

Handlungsräume

Die Texte zu den Handlungsräumen wurden von Fachleuten aus den Handlungsräumen erarbeitet. Die entscheidungsbefugten Stellen in den Regionen haben die Texte verabschiedet. Die Zuständigkeit fällt je nach Handlungsraum unterschiedlich aus und reicht von Regierungskonferenzen über Vereine bis zu Fachgremien, die sich auf politisch validierte Strategien stützen. Aus den in Teil B des Raumkonzepts enthaltenen Zielsetzungen lassen sich keine konkreten Verpflichtungen, wie etwa Infrastrukturausbauten, ableiten.

Metropolitanraum Zürich
Metropolitanraum Zürich
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Metropolitanraum Zürich

Der Metropolitanraum Zürich umfasst die Kantone Zürich, Schaffhausen, Schwyz, Zug sowie Teile der Kantone Thurgau, St. Gallen, Aargau, Luzern und Glarus. Er ist in den letzten Jahrzehnten dynamisch gewachsen, und weiteres starkes Wachstum ist prognostiziert. Fast 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben hier. Der Anteil der Arbeitsplätze ist noch höher. Das künftige Wachstum soll überwiegend in den «Stadtlandschaften» und «Übergangslandschaften» stattfinden, nicht in den Kultur- und Naturlandschaften.

Das Rückgrat dieser Entwicklung ist eine leistungsstarke Infrastruktur. Der Bahnknoten Zürich Hauptbahnhof, der Flughafen Zürich-Kloten und die Drehscheibe des Schienengüterverkehrs im Limmattal sichern die nationale und internationale Vernetzung. Zahlreiche global und lokal tätige Firmen sowie Bildungs-, Forschungs-, Gesundheits- und Kultureinrichtungen machen den Raum zum wichtigen Innovationstreiber in der Schweiz. Mittlere und kleinere Zentren tragen zur Differenzierung und Stärkung des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Potenzials bei.

Im Metropolitanraum Zürich wird über alle Politikbereiche hinweg zwischen Kantonen, Regionen, Städten und Gemeinden eng zusammengearbeitet. Der nachfolgende Text basiert auf dem Raumordnungskonzept Metro­politan­raum Zürich 2050.

  1. Siedlungsentwicklung

    80 Prozent des Wachstums von Bevölkerung und Arbeitsplätzen erfolgt in den Stadtlandschaften und regionalen Zentren, 20 Prozent in den Übergangs- und Kulturlandschaften. In den Naturlandschaften ist kein quantitatives Wachstum vorgesehen. Kantone, Städte und Gemeinden entwickeln die Siedlungen hochwertig und sozialverträglich nach innen und respektieren das baukulturelle Erbe, das für die Identifikation der Bevölkerung mit dem Ort zentral ist. Ein durchmischtes, bezahlbares Wohnungsangebot soll sichergestellt und der Segregation von sozioökonomisch schwächeren Bevölkerungsgruppen entgegengewirkt werden. Arbeitsgebiete sind flächeneffizient und qualitätsvoll weiterzuentwickeln. Im Fokus liegt das Weiterbauen im Bestand. Bis mindestens 2040 soll das Siedlungsgebiet nicht erweitert werden.
  2. Landschaft und Biodiversität

    Vielfältige Landschaften und Gewässer prägen den Raum, schaffen Identität, versorgen mit Nahrungsmitteln und Energie und dienen der Erholung. Die Weiterentwicklung der ökologischen Infrastruktur vernetzt die heutigen Naturschutzgebiete und stärkt die Biodiversität im gesamten Raum. Die intensiv genutzten Erholungsräume sind zu konzentrieren und zu begrenzen.
  3. Mobilität

    Flächen- und energieeffiziente Mobilitätsformen werden konsequent gefördert und intelligent miteinander verknüpft. Mindestens die Hälfte des künftigen zusätzlichen Personenverkehrs erfolgt im öffentlichen Verkehr (öV), die andere Hälfte vermehrt im Fuss- und Veloverkehr. Digitale und organisatorische Massnahmen sowie neue Technologien reduzieren Engpässe in den Spitzenstunden und den Bedarf nach weiteren Ausbauten der Infrastruktur. Notwendige Ausbauten sind primär auf die Stadtlandschaften und die regionalen Zentren zu beschränken. Kapazitätserhöhung, Taktverdichtung und Fahrplanstabilität innerhalb des Metropolitanraums gehen der Beschleunigung von Verbindungen zwischen Metropolitanräumen vor.
  4. Energie und Klima

    Der ganze Raum leistet einen Beitrag für den Klimaschutz und passt Siedlungen an die veränderten klimatischen Verhältnisse an. Die Erhöhung der Energieeffizienz, die Förderung energieschonender Siedlungsformen sowie die konsequente Nutzung erneuerbarer Energien stehen im Zentrum. Der Ausbau der Produktionsanlagen und Verteilnetze für erneuerbare Energien soll vorrangig an bereits bebauten und dafür geeigneten Standorten erfolgen.
Zur Erreichung der funktionalen und räumlichen Ziele werden die erforderlichen Handlungen nach Raumtypen differenziert.
  1. Stadtlandschaft

    Die Stadtlandschaften nehmen den grössten Teil des Wachstums auf. In den Zentren konzentrieren sich Bildungs-, Kultur-, Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie grosse Verkehrsknoten. Mit der Siedlungsentwicklung nach innen wächst der Druck auf den Erhalt charakteristischer Bau- und gewachsener Sozialstrukturen. Wichtige Ziele sind das Schaffen von bezahlbarem und flächeneffizientem Wohn- und Gewerberaum sowie qualitativ hochwertigen und ökologisch wertvollen Freiräumen. Die Qualitäten der Strassenräume sind zu sichern, naturnahe und untereinander vernetzte Nischen für die Biodiversität zu schaffen sowie Massnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas zu ergreifen. Der Fuss- und Veloverkehr übernimmt eine zentrale Rolle in der Mobilität. Der öV wird mindestens im 15-Minutentakt betrieben.
  2. Übergangslandschaft

    Die Übergangslandschaften bieten zahlreiche Chancen für bezahlbaren Wohnraum zugunsten einer durchmischten Bevölkerung sowie für entwicklungsfähige Gewerbe- und Industriegebiete. Sie sind gezielt nach innen zu entwickeln: mit urbanen Qualitäten, bewegungs- und begegnungsfreundlich für alle Menschen, mit attraktiven, ökologisch wertvollen und vernetzten Grün- und Freiräumen sowie gut gestalteten Siedlungsrändern. Kurze Wege zur Naherholung sowie die Erhaltung und Förderung baulicher und kultureller Identität in den Gemeinden und Quartieren schaffen vielfältige Wohn-, Arbeits- und Erholungsräume. Die Bahnhöfe sind Entwicklungsgebiete und Drehscheiben mit Verbindungen in die Stadtlandschaften (15-Minutentakt) und die umliegenden Räume (30-Minutentakt). Besonderer Anstrengung bedarf der Ausbau eines flächeneffizienten Fuss- und Velowegnetzes sowie der ökologischen Infrastruktur.
  3. Kulturlandschaft

    Die Kulturlandschaft ist landwirtschaftlich geprägt. Die nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens sichert die Produktion, die Biodiversität und den Wasserhaushalt langfristig. Regionale Zentren bilden mit ihren zentralörtlichen Funktionen das Rückgrat des ländlichen Raums. Ein weiteres Wachstum der Siedlungen in die freie Landschaft ist zu vermeiden, grüne Zäsuren zwischen den Dörfern sollen erhalten bleiben. Flächen für die ökologische Infrastruktur sind auszudehnen und unbebaute Landschaftskammern zu erhalten. In der Regel fährt der öV im Stundentakt. Innovative Mobilitätsformen ergänzen ihn flexibel.
  4. Naturlandschaft

    Die Naturlandschaft umfasst weitgehend unberührte Gebiete. Tourismusorte mit Hotels und Zweitwohnungen sind vorhanden, insgesamt ist die Besiedelung dünn. Es findet kein quantitatives Wachstum mehr statt. Hier finden die Menschen Erholung. Der Fokus liegt auf einer hohen Biodiversität und natürlichen Lebensräumen. Die Land- und Forstwirtschaft stärkt unterschiedliche Räume und nimmt Rücksicht auf schützenswerte Landschaften, Naturräume und die Artenvielfalt. Das Grundangebot im öffentlichen Verkehr wird sichergestellt und bedarfsorientiert für Tourismusorte ergänzt. Strassen- und Schienenkapazitäten werden nicht ausgebaut. Hingegen werden Qualitätsverbesserungen der Fuss- und Veloinfrastruktur ermöglicht.
Trinationaler Metropolitanraum Basel
Trinationaler Metropolitanraum Basel
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Trinationaler Metropolitanraum Basel

Der trinationale Metropolitanraum Basel umfasst die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie Teile der Kantone Solothurn, Aargau und Jura. Er reicht bis weit nach Südbaden und ins Elsass und ist Teil der trinationalen Metropolregion Oberrhein. Landschaftlich prägen ihn die Talräume des Rheins und seiner Zuflüsse sowie die Höhenzüge Jura, Sundgau und Südschwarzwald.

Die Region ist wirtschaftlich sehr dynamisch, was zu einem starken Bevölkerungszuwachs führt. Für ihre nationale und internationale Attraktivität sind die Life-Sciences-Branche, das kulturelle Angebot, die digitale Innovationskraft, eine nachhaltige, diversifizierte Wirtschaft sowie ein hochwertiges und breit gefächertes Ausbildungsangebot von zentraler Bedeutung.

Die Region Basel ist für Personen und Güter das Tor der Schweiz zu Europa. Der grenzüberschreitende Alltag sowie die engen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verflechtungen sind beispielhaft für die Vernetzung der Schweiz mit ihren Nachbarländern. Weitere Standortfaktoren sind die attraktiven Natur- und Kulturlandschaften von Jura und Rhein.

Die Klimaerwärmung ist eine zentrale Herausforderung: die Städte und das Kulturland sind von Dürren und Hitzephasen stark betroffen. Das Verkehrssystem auf Schiene und Strasse ist ausgelastet, was durch Basels Bedeutung als internationaler Verkehrsknotenpunkt akzentuiert wird. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist Zusammenarbeit auf allen Ebenen nötig: interkommunal, grenzüberschreitend und mit den benachbarten Handlungsräumen.

Entwicklungsschwerpunkte fördern

Die Entwicklung des Raums wird insbesondere im Agglomerationszentrum sowie in den Siedlungsachsen im Rheintal, Wiesental, Kandertal, Ergolztal, Birstal und Leimental gefördert. Dies erfolgt überkommunal und trinational, um die Nutzungen unabhängig von Grenzen an den raumplanerisch geeigneten Standorten zu lenken.

Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Kooperationen grenzüberschreitend fördern

Das Zusammenleben der «Europäerinnen und Europäer des Alltags» im trinationalen Raum ist geprägt von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Die diversen kulturellen Einflüsse und das bauliche Erbe machen die Region unverwechselbar. Zur Kooperation der Partner des Handlungsraums werden regionale und trinationale Organisationen ebenso genutzt wie das Agglomerationsprogramm, die Neue Regionalpolitik des Bundes und europäische Förderprogramme wie Interreg. Schulen und Universitäten sowie Wirtschaftsakteure arbeiten vermehrt grenzüberschreitend zusammen.

Innenentwicklung qualitätsvoll gestalten

Durch klimaangepasste und ortsspezifische Planungen sind Innenentwicklung und Qualität gleichzeitig zu erreichen. Zudem werden die Nutzungen so angeordnet, dass eine Region der kurzen Wege entstehen kann.

Charakteristische Landschaften erhalten

Die zusammenhängenden Landwirtschafts-, Wald- und Naturgebiete in den drei Ländern werden vor Zersiedelung und Übernutzung bewahrt. Die verschiedenen Nutzungen, wie die Produktion von Nahrungsmitteln und Strom sowie die Erholung tragen zur regionalen Wertschöpfung bei. Sie sind zukunftsorientiert auszugestalten, an die Klimaerwärmung anzupassen und untereinander abzustimmen.

Die für den Metropolitanraum identitätsstiftenden Flusslandschaften des Rheins und seiner Zuflüsse werden als wichtige Vernetzungsachsen und als Lebens- und Erholungsräume gezielt aufgewertet. Die Kulturlandschaften des Tafel- und Faltenjuras sind mit ihren Natur- und regionaltypischen Landschaftswerten sowie ihren hochwertigen Lebensräumen zu erhalten und zu pflegen.

Widerstandskraft der Region gegenüber Naturgefahren und Störfallrisiko stärken

In der Region gelten Hochwasser und Erdbeben als zentrale Naturgefahren; in einigen Gebieten auch Dürre und Hangrutschungen. In Teilräumen führen die hohe Bevölkerungsdichte, die Nutzungsmischung und der Verlauf von Transportachsen zu erhöhtem Störfallrisiko. Mittels eines integralen Risikomanagements sind Gefahrenpotenziale zu ermitteln und zu reduzieren.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung unterstützen

Der Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Life Sciences, digitale Innovation und weiteren nachhaltigen, regional verankerten Wirtschaftszweigen. Ziel ist es, die Entwicklungsfähigkeit bestehender und die Ansiedlung neuer Unternehmen durch Standortvorteile wie Flächenverfügbarkeit, Erreichbarkeit und Lebensqualität zu sichern und zu fördern. Der Kongress- und Eventstandort Basel trägt zu einer gesicherten Wertschöpfung bei.

Hohe Lebensqualität erhalten

Ein ausreichendes, durchmischtes und preisgünstiges Wohnungsangebot wird sichergestellt. Im Fokus steht der werterhaltende Weiterbau des Bestands mit energetischen Ertüchtigungen. Darüber hinaus sind hochwertige Wohnumfelder, Naherholungsräume, eine nachhaltige Mobilität, lebendige Zentren, ein kulturelles Leben mit internationaler Ausstrahlung sowie ein vielfältiges Freizeitangebot anzustreben.

Co2-neutrale Energieversorgung sicherstellen

Die trinationale Metropolregion Oberrhein sowie die Nordwestschweizer Kantone haben sich zur verstärkten Zusammenarbeit in der Klimapolitik verpflichtet. Erneuerbare Energien wie Sonnenenergie, Windenergie, Wasserkraft, Biomasse oder Geothermie werden gefördert. Neue Industrie- und Gewerbestandorte sollen dort entstehen, wo CO2-neutrale Energien verfügbar sind. Darüber hinaus sind Infrastrukturen für die Abscheidung, den Transport und die Speicherung von CO2 vorzusehen.

Funktion als Gateway für die Schweiz stärken

Der trinationale Metropolitanraum fungiert als Scharnier wichtiger europäischer Transportkorridore und ist das «Tor der Schweiz zu Europa» auf Schiene, Wasser, Strasse und im Luftverkehr. Der internationale Personen- und Güterverkehr sowie Logistikdienstleistungen sind auf einen funktionierenden Gateway angewiesen.

Der Ausbau der Schieneninfrastruktur ermöglicht die Entflechtung von Fern-, Güter- und Regionalverkehr im Zentrum des Metropolitanraums. Die Erreichbarkeit innerhalb der Region wird verbessert und es werden häufigere und als klimaschonende Alternative zum Flugverkehr schnellere Bahnverbindungen zu den wichtigsten europäischen Metropolen ermöglicht.

Mobilitätswende durch abgestimmte Raum- und Verkehrsplanung fördern

Das Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum wird dort konzentriert, wo eine hohe Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln besteht. Mit einer gut ausgebauten und sicheren Veloinfrastruktur wird ein zentraler Beitrag geleistet, um den künftigen Mobilitätsbedarf der wachsenden Region nachhaltig zu decken.

Espace métropolitain lémanique transfrontalier
Espace métropolitain lémanique transfrontalier
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Espace métropolitain lémanique transfrontalier

Der Espace métropolitain lémanique transfrontalier, der die Kantone Genf und Waadt sowie Teile der Kantone Freiburg, Wallis und des Arc jurassien umfasst, ist eine aussergewöhnliche Region. In diesem Handlungsraum gibt es mehrere, teils interkantonale Agglomerationen. Die Agglomeration Grand Genève hat zudem eine grenzüberschreitende Dimension, die in einem regen, alltäglichen Austausch mit dem benachbarten Frankreich zu Ausdruck kommt. Die beiden wichtigsten städtischen Zentren – die Agglomerationen Lausanne-Morges und Grand Genève – sowie das Netz aus Städten und Dörfern bieten eine hohe Lebensqualität. Sie sind dynamisch und äusserst attraktiv zum Wohnen und Arbeiten. Eingebettet zwischen den Alpen und dem Jura ist der Handlungsraum landschaftlich geprägt vom Genfersee, seinen Zuflüssen und weitläufigen ländlichen Räumen und er ist eine erstklassige Tourismusdestination.

Der Handlungsraum ist ein international bedeutendes Zentrum – besonders aufgrund seiner einzigartigen Dichte an Sportverbänden sowie internationalen und nichtstaatlichen Organisationen. Er zeichnet sich durch einen hochwertigen Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort aus. Der Standort besteht aus renommierten Forschungs- und Bildungseinrichtungen, multinationalen Unternehmen und eine Vielzahl innovativer kleiner und mittlerer Unternehmen. Der Espace métropolitain lémanique transfrontalier verzeichnet daher ein starkes Wirtschaftswachstum, das zu einem steilen Bevölkerungsanstieg führt.

Eine ausgewogene und polyzentrische Siedlungsentwicklung durch verstärkte Zusammenarbeit sicherstellen

Beim Wohnen, den Arbeitsplätzen, Dienstleistungen, Einrichtungen, öffentlichen Räume und der Freizeit wird eine ausgewogene Entwicklung der verschiedenen urbanen Pole angestrebt. Die funktionale, gesellschaftliche und generationenübergreifende Durchmischung wird gestärkt. Das Wachstum wird durch Verdichtung und Erneuerung des bestehenden Siedlungsgebiets aufgefangen, vor allem in Agglomerationen und städtischen Zentren. Dabei werden kurze Wege gefördert und das kulturelle Erbe aufgewertet.

Die Zersiedelung wird eingedämmt. In den ländlichen Räumen werden kleine Städte und Dorfzentren belebt und miteinander vernetzt. Sie erfüllen die Grundbedürfnisse der Bevölkerung mit einem vielfältigen Angebot an Dienstleistungen und Einrichtungen, wodurch sich Wege vermeiden lassen. 

Die Zusammenarbeit zwischen den Agglomerationen und mit anderen Handlungsräumen sowie in den grenzüberschreitenden Gebieten wird ausgebaut und intensiviert. Die Mitwirkung der Bevölkerung, der Zivilgesellschaft und der lokalen Akteurinnen und Akteure an der Ausarbeitung von Projekten ergänzt das Handeln der Behörden.

Die natürlichen Lebensräume und charakteristischen Landschaften erhalten und weiterentwickeln

Wo immer möglich haben die natürlichen Lebensgrundlagen und deren Vernetzung, die wiederhergestellt wird, Vorrang. Dies sind jene Räume, die für die Biodiversität und die Ökosystemleistungen eine zentrale Bedeutung haben. Die Integrität des Gewässernetzes, die Uferqualität sowie die Wasserqualität des Genfersees und seiner Zuflüsse werden erhalten durch eine grenzüberschreitende Koordination zwischen den Akteurinnen und Akteuren des integralen Wassermanagements. Die ökologische Infrastruktur und ihre grünen, blauen und braunen Elemente werden am Siedlungsrand und innerhalb der Siedlungen gestärkt, insbesondere um die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. 

Die charakteristischen Landschaften, vor allem entlang der Rhone und des Genfersees, werden erhalten und ihre Qualitäten aufgewertet. Die Landwirtschaftsgebiete, die zur Ernährungssicherheit und -souveränität beitragen, werden vor Zersiedelung bewahrt. Die Gewinnung erneuerbarer Energie trägt dem Umwelt- und Landschaftsschutz Rechnung.

Ein vielfältiges Angebot an Wohnraum, Dienstleistungen und Einrichtungen sicherstellen und zugleich die wirtschaftliche Attraktivität stärken und die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft fördern

Das Angebot an Wohnraum, Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungen ist ausgewogen, ausreichend, vielfältig und bedarfsgerecht. Es steht allen Bevölkerungsgruppen zur Verfügung und ist für alle zugänglich. Die Qualität der öffentlichen Räume und des Wohnraums fördert das Zusammenleben und kurze Wege.

Die Kreislaufwirtschaft als Grundsatz und die Synergien zwischen wirtschaftlichen Tätigkeiten und Energieressourcen werden gestärkt. Fernwärmenetze werden mit erneuerbaren Energien gespiesen und die energetische Sanierung von Gebäuden wird unterstützt. Neubauten sind so konzipiert, dass der Energieverbrauch sinkt und möglichst viel erneuerbare Energie erzeugt werden kann.

Innovation, Wandel und die Ansiedlung von Unternehmen in Exzellenzzentren wie auch die Synergien mit Universitäten, Fachhochschulen und der EPFL werden gefördert. Gleichzeitig wird das lokale Wirtschaftsgefüge erhalten und stimuliert. Industrie- und Gewerbezonen sind so dimensioniert, dass sie den aktuellen und zukünftigen Bedarf decken. Damit der Handlungsraum attraktiv bleibt, müssen Funktionsfähigkeit und Bedeutung des internationalen Flughafens Genf langfristig gesichert werden. Die Emissionen, die er verursacht, werden dabei möglichst begrenzt.

Leistungsfähige und redundante Systeme für den öffentlichen Verkehr und die aktive Mobilität entwickeln

Um die Mobilität in den Griff zu bekommen – vor allem die grenzüberschreitende und touristische – und die Verkehrsverlagerung zu begünstigen, werden leistungsfähige öV-Systeme entwickelt. Sowohl der Ausbau bestehender Eisenbahnlinien als auch die Schaffung neuer Trassen, welche die Redundanz (des Netzes) im Personen- und Güterverkehr gewährleisten, erfordern hohe Investitionen. Ziel ist es, die Erschliessung in den Agglomerationen zu verbessern und die wichtigsten städtischen Zentren im Handlungsraum untereinander sowie mit den angrenzenden Gebieten und der ganzen Schweiz zu verbinden. Die internationalen Zugverbindungen werden gestärkt und weiterentwickelt, namentlich um den Anschluss an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz auf regionaler und nationaler Ebene sicherzustellen.

Die Erweiterung der Infrastruktur für die aktive Mobilität wird fortgesetzt, um ein schlüssiges und durchgehendes Netz für die sichere Fortbewegung auf allen Massstabs-Ebenen aufzubauen. Der Personenverkehr auf dem bietet gute Verbindungen. Die Strasseninfrastruktur wird optimiert, um die Agglomerationen vom Verkehr zu entlasten. Die lokalen Strassennetze werden zugunsten des öffentlichen Verkehrs, der aktiven Mobilität und des öffentlichen Raums umgestaltet. Um den Versorgungsbedarf der Region zu decken, wird ein optimiertes und dekarbonisiertes Logistiksystem gefördert.

Hauptstadtregion Schweiz
Hauptstadtregion Schweiz
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Hauptstadtregion Schweiz

Die Hauptstadtregion Schweiz umfasst den Kanton Bern sowie Teile der Kantone Solothurn, Neuenburg, Freiburg und Wallis. Ihr Einflussgebiet reicht bis in die Waadt und zur Jurakette.

Die zweisprachige Hauptstadtregion Schweiz nimmt als Zentrum für Politik und Verwaltung eine besondere Position ein. Als Brückenregion zwischen den Sprachräumen leistet sie einen zentralen Beitrag für die gesellschaftliche Kohärenz und das Funktionieren von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft.

In der Hauptstadtregion Schweiz sind die grossen Bundesbetriebe sowie bedeutende Infrastruktur- und Dienstleistungsunternehmen, Wirtschaftsverbände und Interessengruppen angesiedelt. Dieses dichte Netzwerk bietet eine einzigartige Gelegenheit zur Entwicklung innovativer Projekte.

Neben den traditionellen Industrien der Uhren-, Maschinen- und Mikrotechnik sind auch die Informations-, Luftfahrt- und Kommunikationstechnologie sowie die Medizinal-, Umwelt- und Energietechnik, die Biotechnologie und die Pharmaindustrie wichtige Schwerpunkte

Die Hauptstadtregion Schweiz bietet abwechslungsreiche Landschaften und ein naturnahes Netz von Flüssen und Seen. Die Region zeichnet sich durch vielseitige urbane, ländliche und alpine Arbeits- und Wohnqualitäten aus und ist mit weltbekannten Destinationen auch für den Tourismus bedeutsam.

Die Hauptstadtregion Schweiz nutzt ihre Rolle als politisches Steuerungszentrum und Wirtschaftsraum in der Mitte der Metropolitanräume. Durch eine verstärkte regions- und kantonsübergreifende Kooperation wird die Weiterentwicklung der Wirtschaftsleistung sowie die Förderung der Lebensqualität aller Menschen in der Region angestrebt.

Wissensökonomie und Schlüsselbranchen stärken

Die Hauptstadtregion Schweiz vernetzt Wirtschaft, Politik, Bildung und Forschung und trägt so in Ergänzung der Stärken der anderen Wirtschaftsräume zur Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz bei.

Die Hauptstadtregion Schweiz nimmt in den Bereichen der Maschinen-, Präzisions- und Uhrenindustrie sowie Medizinaltechnik eine Führungsposition ein. Die bundesnahen Unternehmen und zahlreiche Infrastrukturunternehmen haben hier ihren Sitz. Weitere Schwerpunkte bilden die Spitzenmedizin, die Informations- und Kommunikationstechnologie, die Luftfahrt-, Umwelt- und Energietechnik sowie die Biotechnologie und die Pharmaindustrie. Der Ausbau von Wasserkraft und Solarenergie sorgt für eine nachhaltige und zuverlässige Energieproduktion.

Durch ein hervorragendes Bildungsangebot auf Tertiärstufe und leistungsfähige Innovations- und Forschungsinstitutionen wird die Basis zur Stärkung der wertschöpfungsintensiven und innovativen Wirtschaft gelegt.

Die intensivierte Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und dem Universitätsspital Insel, die Weiterentwicklung des Innovationsökosystems (z. B. sitem-insel, CSEM Neuenburg und Bern, SIP Biel/Bienne, Bluefactory, SCDH Nidau, Energypolis) oder der Aufbau der Plattformen Smart Capital Region, Digital Impact Network, Cluster Food & Nutrition sind etablierte Beispiele für die angestrebte Kooperation.

Nationales Polit-Zentrum nutzen

Die Vorteile als Polit-Zentrum und als Sitz der diplomatischen Vertretungen sind für Institutionen und Spitzenverbände noch besser zu nutzen. Das Polit-Zentrum Bern verfügt über eine sehr gute Kongressinfrastruktur, eine breite Auswahl an Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen und mehrsprachige Bildungsangebote. Die Hauptstadtregion Schweiz stärkt ihre Position als Kompetenzzentrum für die Ausbildung im Public Management.

Brückenfunktion zwischen den Sprachregionen in Wert setzten

Die Hauptstadtregion Schweiz hat für die politische und kulturelle Identität und damit für die gesellschaftliche Kohärenz der Schweiz eine grosse Bedeutung. Alle zweisprachigen (DE/FR) Kantone und Städte sind Mitglied des Vereins Hauptstadtregion Schweiz. Die Hauptstadtregion Schweiz verbindet West- und Deutschschweizer Kultur und Sprache. Sie ist geografisch, verkehrstechnisch, wirtschaftlich und politisch die nationale Drehscheibe zwischen den Metropolitanräumen. Diese Brückenfunktionen sollen in Wert gesetzt werden.

Hohe Wohn- und Lebensqualität ermöglichen

Die Hauptstadtregion Schweiz fördert attraktive, bezahlbare Wohnstandorte (z. B. Plusenergie-Quartiere PEQ) mit optimalen Verkehrsverbindungen und gut erreichbaren Naherholungsgebieten.

Die funktional verflochtenen städtischen und ländlichen Räume erarbeiten gemeinsam räumliche Strategien zur Entwicklung von Wohnraum, Arbeitsplätzen, Dienstleistungen, Naherholungsgebieten und der Landschaft. Sie koordinieren die Infrastrukturen – auch im Hinblick auf die Anpassungen an den Klimawandel und den Erhalt der Biodiversität. 

Die Siedlungsentwicklung konzentriert sich primär auf Siedlungskerne, um die offenen Landschaften mit ihren landwirtschaftlichen und Erholungsnutzungen zu erhalten sowie ihre Funktion für die ökologische Vernetzung zu stärken.

Rahmenbedingungen für regionale Arbeitsplätze schaffen

Die Hauptstadtregion Schweiz bietet Raum und Potential für nachhaltige räumliche und wirtschaftliche Entwicklung. Sie hat 23 Standorte identifiziert, die vorrangig entwickelt werden sollen. 

An gut erschlossenen und raumplanerisch geeigneten Standorten werden entsprechende Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze im Gewerbe, im Dienstleistungssektor und in der Industrie geschaffen. Die Hauptstadtregion Schweiz will die Arbeitszonen so entwickeln, dass auch an den Arbeitsplätzen eine hohe Lebensqualität geboten wird.

Nationale Verkehrsdrehscheibe

Die Hauptstadtregion Schweiz ist auf gut funktionierende, effiziente Verkehrsverbindungen für Güter und Personen angewiesen: innerhalb der Region, für die Vernetzung mit anderen Räumen und für die Einbindung in das internationale Verkehrsnetz.

Die Leistungsfähigkeit des national bedeutenden Eisenbahnknotens Bern soll auch langfristig sichergestellt werden. Der Anschluss ans europäische Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz (HGV) ist mittels attraktiven Direktverbindungen zu gewährleisten.

Wichtige Achsen sind die Ost-West-Verbindungen Ostschweiz – Zürich – Bern – Lausanne/Genf und entlang des Jurasüdfusses (Olten – Solothurn – Grenchen – Biel – Neuenburg – Lausanne/Genf) sowie die Nord-Süd-Verbindung von Deutschland – Basel über die Lötschberg-Linie nach Italien und von Frankreich/Paris nach Bern. Der Freizeit- und Tourismusverkehr bildet mit den saisonalen Belastungen der Verkehrssysteme (v. a. zwischen Bern und Berner Oberland bzw. Wallis) eine besondere Herausforderung.

Die Hauptstadtregion Schweiz setzt sich für die nationale und internationale Einbindung ein und unterstützt Projekte, die für die Entwicklung der Region prioritär sind (z. B. die direkte Verbindung zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds, die Bahnstrecke zwischen Romont und Freiburg und der Lötschbergtunnel). Sie entwickelt schrittweise ein regionenübergreifendes und koordiniertes S-Bahn-System.

Urbane, ländliche und alpine Qualitäten vereinen

Die Hauptstadtregion Schweiz verfügt mit ihren Städten und Agglomerationen, vielseitigen ländlichen Räumen und alpinen Gebieten über eine einmalige Kombination von unterschiedlichen Qualitäten. Diese schaffen eine gemeinsame Identität. Sie nutzt diese landschaftlichen, touristischen und kulturellen Potenziale und Stärken.

Potenziale der Land- und Ernährungswirtschaft nutzen

In den grossen, zusammenhängenden offenen Landschaften – besonders im Seeland, im unteren Emmental, der Broye-Ebene sowie dem Gürbe- und dem Aaretal – haben Land- und Waldwirtschaft ihre Hauptproduktionsgebiete in der Schweiz. Nebst den Produktionsgrundlagen zeichnet sich der Handlungsraum ebenfalls durch die Präsenz bedeutender Verarbeiter von Landwirtschaftsprodukten und Weinbaubetriebe mit nationaler wie internationaler Bedeutung aus. Diese Potenziale gilt es zu nutzen.

Luzern
Luzern
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Luzern

Der Handlungsraum Luzern umfasst die Kantone Luzern, Nid- und Obwalden, Zug sowie Teile der Kantone Schwyz und Aargau. Sein Einflussgebiet erstreckt sich darüber hinaus auf die Kantone Uri und Bern sowie in Richtung Zürich und in den Aargau.

Die zentral im Handlungsraum gelegene Agglomeration Luzern ist als grossstädtischer Kern eines Netzes von ländlichen, klein- und mittelstädtischen Zentren prägend für den Raum und erfüllt wichtige Funktionen für die Zentralschweiz.

Hochschulen, Kultur und Kongresse sowie Freizeit und Tourismus verleihen dem Handlungsraum eine nationale und internationale Ausstrahlung. Der innovative Standort für Forschung, Technologie und Dienstleistungen unterstreicht die grosse wirtschaftliche Bedeutung. Der Raum ist von Seenlandschaften geprägt, die in weitgehend intakte Hügel- und Berglandschaften eingebettet sind.

Dank guter Verkehrsanbindungen ist der Handlungsraum eng mit den umliegenden Metropolitanräumen vernetzt und übernimmt eine Brückenfunktion zwischen Alpen und Mittelland.

Der Handlungsraum muss seine Position und künftige Entwicklung in einem Spannungsfeld definieren: Er ist Teil des Metropolitanraums Zürichs, aber auch ein eigenständiger Raum mit klar erkennbarer Identität. Die Herausforderung liegt darin, Wachstum und Mobilität mit Landschaftsschutz, nachhaltiger Siedlungsentwicklung und hoher Lebensqualität in Einklang zu bringen.

Profilierung als eigenständiger Raum sicherstellen

Die eigenständige nationale und internationale Ausstrahlung basiert im Wesentlichen auf den Bereichen Kultur, Bildung und Tourismus sowie auf der hohen Wohnqualität. Diese Bereiche sind zu fördern und zu unterstützen. Die Potenziale der einheimischen Industrie und Dienstleistungsunternehmen müssen ebenfalls genutzt und ausgebaut werden. Die wirtschaftlichen Entwicklungsschwerpunkte und Arbeitsplatzgebiete sowie deren Verfügbarkeit und Erreichbarkeit sind zu stärken. Zudem gilt es, die Wirtschaft mit den Bildungs- und Forschungsinstitutionen in der Region Luzern und im Metropolitanraum Zürich zu vernetzen. Die regionale Zusammenarbeit ist generell von grosser Bedeutung.

Urbanen Raum Luzern aufwerten

Insbesondere in den Entwicklungsschwerpunkten Luzern Nord, Luzern Süd und Luzern Ost werden neue urbane Qualitäten geschaffen. Im ganzen urbanen Raum ist das vielfältige, attraktive und vernetzte Kultur-, Wirtschafts- und Wohnungsangebot weiterzuentwickeln. Dabei ist auf einen angemessenen Anteil von bezahlbarem Wohnraum zu achten, und es sind klimaangepasste Freiräume zu schaffen. Die Vernetzung dieser urbanen Schwerpunkte erfolgt in erster Linie durch zweckmässig gestaltete Verkehrsinfrastrukturen für dichte Angebote des öffentlichen Verkehrs mit Bahn und Bus sowie für sichere Fuss- und Veloverbindungen.

Ländliche Zentren stärken

Die Zentren in der Kulturlandschaft sind in ihren Funktionen für den ländlichen Raum zu stärken. Eine Konzentration der Dienstleistungen und lokalen Wirtschaftsschwerpunkte auf diese Zentren wird deshalb angestrebt. Gemeindefusionen tragen zur Stärkung des ländlichen Raums und zur besseren Koordination der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung bei. Die verschiedenen Kulturlandschaften entwickeln eigenständige Profile, die den Fokus auf ihre jeweiligen Stärken im Tourismus, in der Landwirtschaft, der Naherholung und der Energie legen. Sie nehmen entsprechende Funktionen in Ergänzung zum urbanen Raum wahr.

Nachhaltige Siedlungsentwicklung unterstützen

Die Siedlungen werden hochwertig nach innen entwickelt und an den Klimawandel angepasst, zudem werden energieschonende Siedlungsformen unterstützt. Sofern möglich werden treibhausgasarme oder -neutrale Baumaterialien verwendet. Das baukulturelle Erbe ist für die Identifikation der Bevölkerung wichtig und wird respektiert. Die Arbeitsgebiete sind flächeneffizient und qualitätsvoll weiterzuentwickeln.

Nachhaltige Verkehrsentwicklung fördern

Flächen- und energieeffiziente Mobilitätsformen sind konsequent zu fördern und intelligent miteinander zu verknüpfen, insbesondere mittels Verkehrsdrehscheiben, multimodalen Umschlagflächen und digitalen Massnahmen. Eine Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr sowie die Priorisierung des strassengebundenen öffentlichen Verkehrs ist zu unterstützen. Sichere und lückenlose Velowege sowie gut vernetzte Fusswege sind zu fördern. Die Verträglichkeit der Strasseninfrastruktur mit der Siedlung sowie mit den Klima- und Umweltzielen ist zu gewährleisten.

Achse Luzern-Zug-Zürich stärken und mit weiteren Räumen verbinden

Der Agglomerationsraum Luzern ist als vernetzter und räumlich klar begrenzter Entwicklungsschwerpunkt innerhalb des Metropolitanraums Zürich und als Zentrum der Zentralschweiz weiterzuentwickeln. Die Verkehrsinfrastrukturen müssen mit der Siedlungsentwicklung so abgestimmt werden, dass trotz Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie zusätzlichem Verkehrsangebot die Zersiedelung vermieden wird und die landschaftlichen Qualitäten erhalten bleiben. Die Funktionsfähigkeit der Eisenbahnachse Bern- bzw. Basel-Sursee-Luzern-Rotkreuz-Zug-Zürich bzw. -Arth-Goldau-Bellinzona und des Eisenbahnknotens Luzern wird substanziell verbessert, insbesondere mittels durchgängiger Linienführung, Kapazitätserhöhungen und Taktverdichtungen.

Attraktives S-Bahn-System umsetzen

Das S-Bahn-System ist unter Berücksichtigung der anderen Verkehrsarten auf der Schiene im gesamten Raum zu optimieren. Prioritär sind dabei rasche und häufige Verbindungen zwischen den Zentren insbesondere zwecks Umstiegs vom MIV auf den öV. Zudem ist eine Verdichtung des Angebots auf den Entwicklungsachsen notwendig. Um eine weitere Zersiedelung zu vermeiden, ist die Siedlungsentwicklung auf die bestehenden Haltestellen zu konzentrieren. Die Achse Bern- bzw. Basel-Sursee-Luzern-Rotkreuz-Zug-Zürich bzw. -Arth-Goldau-Bellinzona ist Voraussetzung für ein starkes S-Bahn-System

Funktionsfähigkeit des Strassennetzes sicherstellen

Die Leistungsfähigkeit des übergeordneten Strassennetzes ist zu gewährleisten, insbesondere auf den Abschnitten Emmen Nord-Buchrain, Buchrain-Rütihof-Blegi und Luzern Süd-Hergiswil. Die Siedlungsentwicklung und die Infrastruktur für den Nahverkehr müssen aufeinander abgestimmt werden.

Freizeit- und Erholungsräume begrenzen

Intensiv genutzte Freizeit- und Erholungsräume sind räumlich zu konzentrieren, in der Fläche zu begrenzen und verstärkt mehrfach zu nutzen, um andere Räume zu schonen.

Qualitäten des Vierwaldstättersees und der Hügellandschaften erhalten

Der Vierwaldstättersee ist für den Handlungsraum identitätsstiftende und – zusammen mit Ausflugszielen wie Titlis, Pilatus und Rigi – wichtig für den Tourismus der Zentralschweiz. Diese Qualitäten müssen deshalb erhalten und gefördert werden. Die für den Handlungsräum prägenden offenen Hügellandschaften sollen gepflegt und aufgewertet werden. Die Arbeiten im Rahmen der UNESCO-Biosphäre Entlebuch sind weiterzuführen und auf angrenzende Gebiete auszuweiten. Bei der Weiterentwicklung von Siedlungsräumen sind die Freizeit- und Erholungsbedürfnisse der Bewohnenden zu berücksichtigen.

Seenlandschaften durch Siedlungsschwerpunkte vor Zersiedelung schützen

Die Seenlandschaften zwischen Zürich, Aarau und Zug – speziell jene um den Sempacher-, den Baldegger- und den Hallwilersee – müssen vor einer Zersiedelung geschützt werden. Das Gebiet ist als abwechslungsreiche Landschaft mit ländlichem Charakter für Land- und Waldwirtschaft zu erhalten sowie als attraktiver Naherholungs- und Naturraum aufzuwerten. Dies bedingt räumlich klar begrenzte Siedlungsschwerpunkte entlang der Hauptentwicklungsachse Luzern-Sursee-Zofingen und im Seetal. Synergien mit dem Hochwasserschutz sollen genutzt werden, etwa indem genügend grosse Gewässerräume für Flüsse, z. B. an der Reuss und der Suhre, und Bäche frei von Infrastrukturanlagen und Siedlungen gehalten sowie ökologisch aufgewertet werden.

Grosse Landwirtschaftsgebiete aufwerten und Biodiversität fördern

In den verschiedenen Landschaftstypen ausserhalb der Bauzone sind zonenfremde Bauten und Anlagen im Sinne des Zersiedelungsstopps möglichst zu vermeiden. Diese Gebiete dienen einerseits für eine multifunktionale, produzierende und emissionsärmere Landwirtschaft; andererseits sind sie - insbesondere mittels besserer und naturnaher Vernetzung der bisherigen Naturschutzgebiete - ökologisch massgeblich aufzuwerten zwecks Förderung der Biodiversität. Damit wird der Landschaftscharakter gestärkt und weiterentwickelt.

Erneuerbare Energien priorisieren und landschaftsverträglich einbetten

Die Energieeffizienz muss generell erhöht werden und die konsequente sowie haushälterische Produktion und Nutzung von erneuerbaren Energien – insbesondere Solar- und Windenergie sowie Wasserkraft - steht im Zentrum. Bei der Evaluation potenzieller Standorte für die Energiegewinnung sind bereits bebaute, erschlossene oder vorbelastete Gebiete prioritär vor intakten Landschaften zu behandeln. Auszubauende und neue Hochspannungsleitungen sind siedlungs- und landschaftsverträglich zu gestalten.

Verträglicher Materialabbau und Deponierung sicherstellen

Mit einer etablierten Kreislaufwirtschaft werden Abfälle deutlich reduziert. Zudem werden Materialabbaugebiete und Deponien landschaftsverträglich betrieben und gestaltet.

Città Ticino
Città Ticino
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Città Ticino

Die Città Ticino erstreckt sich von den Alpen bis nach Italien und grenzt an Graubünden, das Wallis und Uri sowie an die Lombardei und das Piemont. Der Handlungsraum ist geprägt von Gebirgszügen mit engen Tälern im Norden und einer Hügel- und Seenlandschaft im Süden. Er liegt auf der Achse zwischen den Metropolitanräumen Zürich und Mailand.

Die Agglomerationen Locarno, Bellinzona, Lugano und Chiasso-Mendrisio mit ihren jeweiligen Einflussgebieten bilden ein Städtenetz, das einen intensiven Austausch und enge Beziehungen pflegt. Dies ist unter anderem dem starken Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu verdanken. Innerhalb dieses Netzes entwickelt jede Agglomeration – dank sektorübergreifend abgestimmter Politiken – gemeinsam mit ihrem Einflussgebiet je eigene Schwerpunkte und eine eigene Identität. Die Agglomerationen verfolgen dabei die Komplementarität sowie die Stärkung des Zusammenhalts und des räumlichen Gleichgewichts der Città Ticino.

Die Città Ticino soll ihre Attraktivität für Einwohnerinnen und Einwohner, Arbeitskräfte, Unternehmen sowie Besucherinnen und Besucher steigern, indem sie die Herausforderungen der Klima- und Energiewende sowie der Digitalisierung als Chance nutzt, um Impulse und Projekte in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Industrie, Tourismus und Energie voranzubringen. Auf diese Weise kann sie ihre Stellung und Identität zwischen Zürich und Mailand stärken.

Die Infrastrukturprojekte – insbesondere die Fertigstellung und der Ausbau der grossen Infrastrukturen entlang der Nord-Süd-Achse sowie die Erneuerung von Wasserkraftwerken und Hochspannungsleitungen – bieten Anlass, um die räumlichen und landschaftlichen Qualitäten der Città Ticino zu verbessern und zur Geltung zu bringen.

Die Stellung im nationalen und grenzüberschreitenden Kontext stärken

In den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Kultur, Verkehr, Umwelt und Gesellschaft sind die Zusammenarbeit und die Entwicklung von Projekten zu intensivieren. Dies betrifft in der Schweiz die Kooperation mit dem Bund, den Kantonen und den Städten, im grenzüberschreitenden Raum hauptsächlich mit der Metropolitanregion Mailand.

Die Città Ticino muss sich stärker als Raum profilieren, der Möglichkeiten bietet zum Wohnen und Arbeiten, als Bildungsstandort und als Tourismusregion. Dazu gilt es, ein für alle sozialen und demografischen Schichten angemessenes Wohnangebot zu fördern, die Sichtbarkeit auf den internationalen Märkten zu erhöhen – dank der Zusammenarbeit mit der Agentur Greater Zurich Area – sowie die Realisierung des Switzerland Innovation Park Ticino und seiner Kompetenzschwerpunkte (Life Sciences, Mechanik, Elektronik und Werkstofftechnik) voranzutreiben. Damit sollen Synergien zwischen Wirtschaft und Hochschulen gestärkt, Forschungs- und Entwicklungsprojekte ins Leben gerufen, innovative Aktivitäten angezogen und attraktive Arbeitsplätze geschaffen werden. Ferner müssen Mobilitätsnetze (Individualverkehr, öV, Velo- und Fussverkehr) und digitale Netze, die integriert und effizient funktionieren, weiter ausgebaut werden. Ein nachhaltiger, auf das ganze Jahr ausgedehnte Tourismus ist zu fördern.

Die Sektoralpolitiken koordinieren für eine ausgewogene Verteilung von Infrastrukturen, Dienstleistungen und Aktivitäten

Mit der Koodination der verschiedenen Sektoralpolitiken wird sichergestellt, dass Infrastrukturen, Dienstleistungen und Aktivitäten an jenen Standorten der vier Agglomerationen und ihrer Einflussgebiete angesiedelt werden, die sich in Bezug auf Erreichbarkeit, Ausrichtung und Potenzial sowie hinsichtlich der funktionalen Räume (Zentrum, Vorort, periurbaner Raum, Hinterland und Berggebiet) am besten eignen. Die Gemeindestrukturreform, die Agglomerationsprogramme und die Standortförderung tragen namentlich dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.

Die ökologische Infrastruktur ausbauen, um die Lebensqualität zu sichern

Die Politik zur Vernetzung der Schutzgebiete für Fauna und Flora und der Naturparks – von den Bergen bis ins Flachland, von den Landwirtschaftsgebieten bis zu den von Menschen und Siedlungen geprägten Landschaften, von den städtischen Agglomerationen bis zu den ländlichen Gebieten – soll die Biodiversität fördern und eine ökologische Infrastruktur schaffen. Diese gilt es zu wahren und mit der Siedlungsentwicklung sowie mit dem Ausbau der Mobilitäts- und Versorgungsinfrastrukturen zu koordinieren. Dadurch kann die Lebensqualität all jener Menschen beibehalten und verbessert werden, die in der Città Ticino wohnen, eine Ausbildung absolvieren, arbeiten oder die Region besuchen.

Die Landschaften pflegen und aufwerten

Die Landschaften der Città Ticino sind vielfältig und zeugen von der historisch gewachsenen Beziehung zwischen Mensch und Natur: die Berge mit ihren Alpen, Maiensässen und Rustici, die Hügel mit Weinbergen und historischen Ortskernen, die engen Täler mit Landwirtschaftsflächen, die Flüsse und Seen sowie die Städte mit ihrem architektonischen und städtebaulichen Erbe. Das Landschaftskonzept Tessin zeigt Strategien und Massnahmen zur Aufwertung der Landschaften. Dabei werden auch die Politiken zum Kulturgüterschutz, zur Förderung lokaler und regionaler Landschaftsprojekte sowie zur landwirtschaftlichen Entwicklung einbezogen, die zudem ein Wirtschaftssektor darstellt.

Die einheimischen erneuerbaren Energien ausbauen und die Resilienz gegenüber dem Klimawandel stärken

Der kantonale Energie- und Klimaplan der Città Ticino legt Massnahmen für den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien und für die Anpassung an den Klimawandel fest. Der Fokus liegt dabei auf der Optimierung der bestehenden Grosswasserkraftanlagen – insbesondere Sambuco und Verzasca –, dem Ausbau des Gotthard-Windparks. Weitere Schwerpunkte sind Anreize zur Förderung der Energieeffizienz, des Energiesparens und der Energieerzeugung im Gebäudebereich, der Ortsbildschutz und der Schutz der Infrastrukturen vor Naturgefahren sowie ein systemischer und interdisziplinärer Ansatz beim Umgang mit dem Klimawandel.

Die NEAT fertigstellen

Die Fertigstellung der NEAT und der Anbindung an Nordeuropa wird die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene weiter vorantreiben, ohne die Kapazitäten für den Personenverkehr zu beeinträchtigen. Dadurch verbessert sich die Umweltsituation in den Zentren der Agglomerationen, den Vororten und den periurbanen Räumen und es eröffnen sich neue Möglichkeiten für den Ausbau des öV-Angebots.

Eine funktionierende Mobilität innerhalb der Città Ticino gewährleisten und die Verbindungen ins Ausland verbessern

Damit der Personen- und Güterverkehr innerhalb der Città Ticino reibungslos funktioniert, sind komplementäre Infrastrukturen nötig, die sich gegenseitig ergänzen und auf die Art der Nachfrage sowie auf die räumlichen, ökologischen und funktionalen Gegebenheiten der verschiedenen geografischen Räume abgestimmt sind. Neben der Förderung des öffentlichen Verkehrs sowie des Velo- und Fussverkehrs müssen neue Formen der Mobilität (On-Demand- und Sharing-Angebote, automatisiertes Fahren) geprüft und Lösungen gesucht werden, um die Verkehrsnachfrage zeitlich verlagern und die Strassen und Bahnstrecken in den Spitzenzeiten zu entlasten. Die Infrastruktur, die erforderlich ist, um inländische und internationale Verbindungen alle 30 Minuten nach Zürich, Luzern und bis nach Basel, alle 15 Minuten innerhalb der Città Ticino und alle 15 bis 30 Minuten in die Lombardei und das Piemont zu gewährleisten, wird auch die Anbindung an das grenzüberschreitende Gebiet und an den Rest der Schweiz verbessern.

Arc jurassien
Arc jurassien
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Arc jurassien

Der Arc jurassien ist geprägt von einer dezentralen Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur. Er umfasst die Kantone Jura und Neuenburg, den Berner Jura, den Waadtländer Jura und den Jurasüdfuss. Sein Einflussgebiet erstreckt sich bis in die Kantone Basel-Landschaft und Solothurn sowie in die französische Grenzregion. Der Arc jurassien besticht durch eine dynamische Wirtschaftsstruktur, die massgeblich zum Wohlstand des Landes beiträgt. Hier sind exportorientierte und weltweit renommierte Unternehmen der Präzisionsindustrie (Uhren- und Metallindustrie, Mikrotechnik und Elektronik) angesiedelt. Mit seiner polyzentrischer Siedlungsstruktur verfügt der Arc jurassien über zahlreiche Stärken: ein reiches historisches und landschaftliches Erbe, mehrere regionale Naturpärke sowie ein geringerer Druck auf die Grundstücke als in den benachbarten Metropolräumen.

Damit sich der Arc jurassien ausgewogen und koordiniert entwickelt, ist er auf eine enge interkantonale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit angewiesen. Hinsichtlich der Mobilität braucht es bessere Verkehrsverbindungen innerhalb des Handlungsraums sowie in die angrenzenden Gebiete im In- und im Ausland. Die Vitalität der Wirtschaft und Bildungsangebote, die sich gegenseitig ergänzen, müssen gefördert werden, um die Industrie zu stützen und andere Wirtschaftszweige wie Dienstleistungen oder den Tourismus zu entwickeln und zu stärken.

Die Wohnortattraktivität und ein angemessenes Angebot an öffentlichen Dienstleistungen fördern

Die Attraktivität des Arc jurassien als Wohn- und Wirtschaftsstandort hängt von optimalen raumplanerischen Rahmenbedingungen ab. Um dem Arbeitskräftebedarf der regionalen Wirtschaft und zugleich der Wohnungsknappheit in den Agglomerationen der Nachbarregionen zu begegnen, müssen sich die städtischen Zentren des Arc jurassien als Lebensumfeld und Wohnort positionieren. Dies setzt eine kompakte und qualitativ hochwertige Entwicklung mit einem ansprechenden Wohnungsangebot sowie eine gute öV-Erschliessung voraus. Zudem erfordern (zunehmend) individualisierte Lebensstile und die Alterung der Bevölkerung den Erhalt angemessener Dienstleistungen.

Die Rahmenbedingungen für die Präzisionsindustrie aufrechterhalten und die wirtschaftliche Vielfalt fördern

Die Synergien zwischen Forschungs- und Bildungseinrichtungen und Wirtschaftsakteuren müssen gestärkt werden. Von Bedeutung sind dabei auch das Netzwerk der Hochschulen auf beiden Seiten der französisch-schweizerischen Grenze sowie die Zusammenarbeit mit den benachbarten Handlungsräumen. Um die Spitzenstellung des Arc jurassien in der Uhrenindustrie und der Mikrotechnik zu bewahren, sollen die Ausbildungsangebote in diesen Bereichen in der Region bleiben und weiter ausgebaut werden. Ausserdem ist die Entwicklung anderer Bildungsgänge zu fördern, um die Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur zu unterstützen.

Die Zugverbindungen im In- und Ausland verbessern

Die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr muss verbessert werden. Dies gilt sowohl für die Verbindungen zwischen den Städten des Arc jurassien als auch für jene in die Metropolräume und urbanen Zentren der Schweiz und Frankreichs. Die Verbindungen über die Jurasüdfusslinie sowie Projekte zur besseren regionalen Anbindung sind für die Wohnort- und Wirtschaftsattraktivität ebenso unverzichtbar wie für die Verkehrsverlagerung. Die internationalen und die inländischen Zugverbindungen über die Jurasüdfusslinie aber auch die Verbindungen innerhalb des Arc jurassien sind zu stärken. Dazu tragen etwa die Linien zwischen den Städten bei, insbesondere eine Direktverbindung zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds sowie bessere Anschlüsse zwischen Delsberg und La Chaux-de-Fonds. Diese öV-Verbindungen müssen ergänzend zu einem effizienten Strassen- und Autobahnnetz ausgebaut werden; dabei sind auch die Regionalflughäfen zu berücksichtigen, die für den Geschäftstourismus von Bedeutung sind.

Die Region Jura und Drei-Seen-Land als Tourismusdestination weiterentwickeln

Ansätze zur gemeinsamen Förderung der Region Jura und Drei-Seen-Land als nachhaltige Tourismusdestination, die achtsam mit ihrem Natur- und Landschaftserbe umgeht, sind zu unterstützen und zur Geltung zu bringen. Aufbauend auf den bestehenden Formen des Individualtourismus (Agro-, Wein-, Wander-, Kultur- und Geschäftstourismus) zielt die regionale Tourismusentwicklung darauf ab, längere Aufenthalte zu fördern sowie das Hotelangebot und die Gästekapazitäten zu erweitern. Die typischen Landschaften des Arc jurassien – wie der Jurakamm, Seen oder Täler – machen die Region besonders attraktiv für den nachhaltigen Tourismus. Die regionalen Naturpärke des Arc jurassien würden von einer Vernetzung profitieren. 

Bei der Landschaftspflege auf die Land- und Forstwirtschaft setzen

Die Land- und die Forstwirtschaft haben eine Produktionsfunktion, spielen aber auch in der Landschaftspflege eine entscheidende Rolle. Die Waldweiden sind ein charakteristisches Element der Kulturlandschaft des Arc jurassien, das in seiner Vielfalt zu erhalten und zu stärken ist – nicht nur zu land- und forstwirtschaftlichen Zwecken, sondern auch für den Tourismus, Freizeitaktivitäten und zur Förderung der Biodiversität. Eine massvolle und gut gesteuerte Siedlungsentwicklung ist notwendig, um die vielfältigen Funktionen der land- und forstwirtschaftlichen Gebiete zu sichern.

Die Produktion erneuerbarer Energie, die verfügbaren Ressourcen und die Landschaftsqualität in Einklang bringen

Es ist sinnvoll, die erneuerbaren Energiequellen an geeigneten Standorten zu nutzen. Bei der Planung neuer Infrastrukturen ist dem Schutz der Landschaft, des Kultur- und Naturerbes sowie der Biodiversität Rechnung zu tragen. Zudem muss die Verfügbarkeit der natürlichen Ressourcen berücksichtigt werden. So ist beispielsweise bei Energievorhaben darauf zu achten, dass die Qualität und Menge des Trinkwassers gewährleistet bleiben.

Die interkantonale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit festigen

Die interkantonale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit muss ausgebaut werden, um die Interessen des Arc jurassien in den Bereichen Verkehr, Bildung, Wirtschaft, Tourismus und Umwelt zu vertreten und vorwärtszubringen. Dabei spielen interkantonale und grenzüberschreitende Gremien eine entscheidende Rolle. Auf interkantonaler Ebene dient die «Vision stratégique pour l'Arc jurassien 2040» als Grundlage für die Zusammenarbeit, die auf der Logik beruht, dass sich die Akteurinnen und Akteure und die Regionen gegenseitig ergänzen.

Aareland
Aareland
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Aareland

Das Aareland erstreckt sich von Oensingen entlang des Jurasüdfusses und der Aare bis in den westlichen Kanton Aargau und das untere Wiggertal. Es umfasst somit Gebiete der Kantone Aargau, Solothurn und Luzern. Den Kern des Aarelands bilden die Zentren Aarau, Olten und Zofingen.

Das Aareland ist ein vielfältiger Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen den grossstädtisch geprägten Handlungsräumen Zürich, Basel und Bern sowie dem Handlungsraum Luzern. Es zeichnet sich durch eine hohe Bevölkerungsdynamik aus, insbesondere auch in den an die Zentren angrenzenden Kernräumen und Korridoren der Agglomerationen.

Landschaftlich charakteristisch sind das kleinräumige Nebeneinander von urbanen und dörflichen Strukturen, die Flussräume der Aare, der Suhre, der Wigger und der Dünnern sowie die Jurakette.

Im Aareland kreuzen sich die Ost-West- und die Nord-Süd-Achse des nationalen Verkehrs. Diese Verkehrsgunst prägt den Handlungsraum und stellt einen wichtigen Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung dar.

Im Zusammenhang mit der hohen Bevölkerungsdynamik, des dadurch ausgelösten Siedlungsdrucks und des hohen Verkehrsaufkommens, stellt die Erhaltung und Schaffung von qualitativ hochwertigen Siedlungen und Landschaften eine wichtige Herausforderung dar.

Zudem soll das Aareland sein eigenständiges Profil als trikantonaler Raum ohne Grenzen zwischen den schweizerischen Grossregionen wahren.

Zusammenarbeit im Verein AareLand

Die im Verein AareLand vertretenen Kantone und Regionen führen die Zusammenarbeit in den Bereichen Raum und Mobilität über die Agglomerationsprogramme fort. Darüber hinaus soll sich die überkantonale und interkantonale Zusammenarbeit zu einer gesamtregionalen Zusammenarbeit weiterentwickeln, die neben den Bereichen Raum und Mobilität auch weitere Themenfelder umfassen, die den Lebens- und Wirtschaftsraum betreffen. Das Aareland etabliert sich so als Raum ohne Grenzen und stellt einen stufengerechten Einbezug der Gemeinden sicher.

Zusammenarbeit mit den benachbarten Handlungsräumen

Als Handlungsraum zwischen den grossstädtischen Räumen Basel, Zürich, Bern und dem Handlungsraum Luzern kommt der Zusammenarbeit mit den Nachbarn im Aareland eine grosse Bedeutung zu. Gleichzeitig stellt das Aareland ein wichtiges Bindeglied zu und zwischen den Metropolitanräumen dar, das für die Versorgung des Mittellandes von zentraler Bedeutung ist.

Durch die intensive Zusammenarbeit der Bildungs- und Forschungsinstitutionen mit der Wirtschaft im Aareland und den benachbarten Metropolitanräumen wird die Innovation gefördert. Dadurch kann das Know-how im Dienstleistungs- und Hightech-Sektor weiter ausgebaut werden.

Grenzüberschreitend koordinierte Raumordnung

Mit einer koordinierten Raumordnung sorgen die Kantone und Regionen dafür, dass sich die Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung im Aareland auf die Kernräume der Agglomerationen konzentriert. Einer abgestimmten Entwicklung der Agglomerationskorridore, die die Kernräume über die Kantonsgrenzen hinaus miteinander verbinden, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Dadurch werden effiziente Siedlungsstrukturen geschaffen und das attraktive und kleinräumige Nebeneinander von Landschaft, kleineren und mittleren Städten sowie Dörfern bleibt erhalten.

Nationale Bedeutung für die Versorgung des Mittellands

Als Verkehrskreuz der Schweiz ist das Aareland für das Funktionieren der Versorgung des Schweizer Mittellands mit Gütern von nationaler Bedeutung. Damit es diese Versorgungsfunktion zukünftig nachhaltig erfüllen kann, gilt es einerseits, geeignete, direkt an das übergeordnete Strassennetz und die Schiene angebundene Standorte für die Logistik- und Distributionsbranche so zu sichern und zu entwickeln, dass sich negative Auswirkungen auf Wohn- und Zentrumsgebiete vermeiden lassen. Andererseits ist es zentral, dass die Erreichbarkeit des Aarelands gewährleistet bleibt, indem alle beteiligten Akteure die nötigen übergeordneten Verkehrsinfrastrukturen im Verbund erhalten und nötigenfalls ausbauen.

Vielfältige Lebensräume und Landschaften

Die das Aareland prägenden artenreichen Flusslandschaften der Aare, der Wigger und der Dünnern dienen sowohl der ökologischen Vernetzung als auch der Naherholung. Um das Konfliktpotenzial zwischen Erholungssuchenden und dem Naturschutz zu minimieren, sind für beide Funktionen Vorranggebiete zu definieren. Es gilt, Vorranggebiete Natur dem steigendem Erholungsdruck zu entziehen und aufzuwerten. In Vorranggebieten Erholung soll die Gewässerlandschaft erlebbar gemacht werden. Entsprechend ist das Ziel, sie zu gestalten und ihre Erreichbarkeit für Erholungssuchende mit Velo und zu Fuss zu fördern. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung der suburbanen Freiräume spielt die Umsetzung der «Agglomerationspärke» und der Jurasüdhänge.

In den Agrarlandschaften soll die standortangepasste produzierende Landwirtschaft im Aareland von Bedeutung bleiben. Sie sind vor Überbauung zu schützen und als vielfältige Kulturlandschaften aufzuwerten. Während in den Jurahängen und Hügelgebieten des Aarelands extensivere Bewirtschaftungsformen standortangepasst sind, sind die grossflächigeren, offenen Agrarlandschaften für neue und intensive Produktionsformen der Landwirtschaft prädestiniert.

In den Siedlungslandschaften des Aarelands sind Freiräume zu erhalten und zu vernetzen. Sie leisten einen Beitrag zur Aufenthaltsqualität in den zunehmend dicht bebauten Kernräumen des Aarelands, tragen zur eigenständigen Identität der Siedlungen bei und sind zentrale Bausteine für die Klimaanpassung in den wärmebelasteten Siedlungsgebieten. Entsprechend sind sie zu planen und zu gestalten.

Identifikation und Bewusstsein für das Aareland stärken

Neben einer grenzüberschreitenden Planung auf Ebene der Kantone und Regionen trägt vor allem auch das Bewusstsein der Bevölkerung für den gemeinsamen funktionalen Raum dazu bei, für die Herausforderungen im Handlungsraum nachhaltige und tragfähige Lösungen zu finden. Um dieses Bewusstsein und die Identifikation der Bevölkerung mit dem Aareland zu stärken, werden die Aktivitäten des Vereins AareLand öffentlich kommuniziert und Identifikations- und Erlebnisorte wie Festungen, Altstädte, Aussichtspunkte, Flussufer, Kanäle, Wälder, Allmenden etc. aufgewertet und erlebbar gemacht.

Internationaler Bodenseeraum
Internationaler Bodenseeraum
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Internationaler Bodenseeraum

Der Internationale Bodenseeraum umfasst die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, den Grossteil des Kantons St.Gallen und Teile des Kantons Thurgau sowie die benachbarten Grenzräume. Der Bodensee ist das verbindende und identitätsstiftende Element.

Der Raum ist geprägt von einer polyzentrischen Siedlungsstruktur mit kleineren und mittleren Agglomerationen, deren Schwerpunkte teilweise jenseits der Landesgrenze liegen.

Er ist mit den umliegenden Städten und wichtigen europäischen Metropolregionen, insbesondere dem Metropolitanraum Zürich verbunden. Die grenzüberschreitenden Pendleraufkommen sind gross und entsprechende Verkehrsangebote daher zentral.

Der Internationale Bodenseeraum zeichnet sich durch eine Vielfalt an identitätsstiftenden, kulturellen und landschaftlichen Qualitäten aus und ist gleichzeitig ein wichtiges Naherholungsgebiet. Er verfügt über ein grenzüberschreitendes Wissens- und Bildungsnetzwerk, das laufend weiterentwickelt wird.

Mit seiner starken, innovativen Industrie und den exportorientierten Unternehmen, insbesondere im Hightech-Bereich, leistet er zudem einen wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftsstandort Schweiz und dessen Wettbewerbsfähigkeit.

Die Herausforderungen im internationaler Bodenseeraum bestehen darin, die Zusammenarbeit sowie die gemeinsame Positionierung und Entwicklung zu stärken, optimierte Verkehrsanbindungen im Handlungsraum und gegen aussen sicherzustellen, das Bevölkerungswachstum auf die Zentren zu lenken und die landschaftlichen und naturräumlichen Qualitäten zu entwickeln.

Zentren stärken

St.Gallen und Konstanz-Kreuzlingen sind als bedeutendste Wirtschafts- und Bildungsstandorte mit internationaler Ausstrahlung und als Kulturstandorte zu stärken. Auch die übrigen regionalen und lokalen Zentren sind integrativ und nachhaltig weiterzuentwickeln.

Agglomerationen und Städte profilieren

Die Städte und Agglomerationen identifizieren ihre jeweiligen Stärken und Chancen, intensivieren themenorientierte Kooperationen und suchen vermehrte Funktionsteilung. Dies ermöglicht es, Dienstleistungen effizient zu erbringen und ausgezeichnete Infrastrukturen anzubieten. Sie nehmen durch gezielte Innenentwicklung das Bevölkerungswachstum auf.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördern

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit hilft, das Potenzial des Raums besser zu nutzen und die gemeinsamen Herausforderungen zu bewältigen. Die verschiedenen Staatsebenen und weitere Akteure arbeiten hierbei zusammen (Kantone, Städte, Gemeinden, Regionen, Landkreise, Nachbarländer, thematisch orientierte Organisationen). Eine Koordinationsstelle auf Kantonsebene bildet das Bindeglied zwischen den erwähnten Akteuren, bezieht diese situativ und frühzeitig mit ein und setzt den Fokus auf die für den Raum relevanten Themenbereiche. Planungsarbeit und Projektumsetzung erfolgen soweit möglich in etablierten Organisationsstrukturen.

Vernetzen des grenzüberschreitenden Bildungs- und Forschungsstandorts

Der gestartete Prozess der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Bereich der Hochschulen wird fortgesetzt und im Bereich der Berufsbildung weiterentwickelt. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Bildungsstandort im Metropolitanraum Zürich zu stärken und eine stärkere Vernetzung der Hochschulen und der Wirtschaftsunternehmen anzustreben.

Stärkung der polyzentrischen Region mit seiner hohen (auch naturräumlichen) Lebensqualität

Die Balance zwischen Urbanität und Naturraum ist zu stärken und der daraus resultierende attraktive Lebensraum in Wert zu setzen. Zu beachten sind dabei besonders die Klimaanpassung, die Biodiversität und die sozialräumliche Entwicklung.

Voralpine und alpine Räume verantwortungsvoll nutzen

Die voralpinen und alpinen ländlichen Räume sollen mit ihren vielfältigen Funktionen erhalten bleiben. Für diese land- und forstwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft ist ein verantwortungsvoller Umgang gefordert. Besonders in den ländlichen Zentren sind die Standortqualitäten für Wohnen, vernetztes Unternehmertum und Tourismus zu nutzen.

See- und Flusslandschaften aufwerten

Die Qualität des Bodenseeraums als identitätsstiftende See- und Uferlandschaft soll erhöht werden. Ebenfalls sind die Flusslandschaften wie Rhein und Thur als Naherholungsgebiete und als naturnahe Räume aufzuwerten und zu vernetzen.

Landwirtschaftsgebiete erhalten und vernetzen

Die grösseren zusammenhängenden Landwirtschaftsgebiete sind als vielfältige Vorranggebiete für die Landwirtschaft vor der Zersiedelung zu schützen und ökologisch zu vernetzen. Auch in den voralpinen Hügelzonen soll die multifunktionale Landwirtschaft für die Nahrungsmittelproduktion und die Kulturlandpflege erhalten bleiben.

Verkehrsanbindung verbessern

Alle Akteure sorgen gemeinsam für optimale Verkehrsverbindungen. Die Region soll noch besser an das nationale, europäische und – über den Flughafen Zürich-Kloten – an das internationale Netz angeschlossen werden. Durch den Ausbau der Bahnlinien sowie der Verdichtung des Angebots über Bregenz nach München und über Konstanz nach Stuttgart wird der Handlungsraum stärker mit den europäischen Metropolregionen vernetzt.

Grenzüberschreitendes S-Bahnnetz ausbauen

Das grenzüberschreitende S-Bahnnetz gilt es auszubauen und Lücken zu schliessen. Hindernisse betreffend Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr sind zu überwinden, sei dies bei der Zugänglichkeit oder im Abbau uneinheitlicher Tarifstrukturen.

Funktionierendes Strassennetz sicherstellen

Auf den übergeordneten Strassennetzen ist die Leistungsfähigkeit zu gewährleisten, insbesondere auf den Verbindungen ins Ausland. Das Netz der Nationalstrassen ist bedarfsgerecht auszubauen. Die Siedlungsentwicklung und die Infrastruktur für den Nahverkehr müssen aufeinander abgestimmt werden.

Ausbau des Wirtschafts- und insbesondere des Hightech-Standorts und Stärkung seiner Ausstrahlungskraft

Die bestehenden Potenziale im hoch innovativen produzierenden Sektor werden weiter ausgebaut und sichtbar gemacht. Der Wissenstransfer zwischen angewandter Forschung und Wirtschaft ist zu stärken.

Energieversorgung

Neben den Bestrebungen, den Energieverbrauch zu optimieren, wird die Nutzung erneuerbarer Wärmequellen und der Ausbau von Wasser-, Wind- und Solarstrom zu einer unabhängigeren, dezentralen Energieversorgung beigetragen. Dabei sind die Qualitäten von Landschaft und Natur gebührend zu berücksichtigen.

Gotthard
Gotthard
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Gotthard

Dank seiner Lage auf dem Kreuzungspunkt einer der wichtigsten Alpentransversalen der Schweiz in Nord-Süd-Richtung mit der Achse Vorderrheintal – Rhonetal ist der Gotthardraum für Europa von grosser Bedeutung und verfügt mit seinem Namen über eine starke Ausstrahlung. Als Ausgangspunkt von Reuss, Aare, Rhone, Ticino, Rhein und Linth bildet er das Wasserschloss der Schweiz. Seine wichtigsten Zugangspunkte sind Arth-Goldau, Altdorf, Interlaken, Brig-Visp, Bellinzona, Ilanz und Chur, wobei diese nicht im Zentrum, sondern am Rand des Raums liegen. Das Urner Reusstal, die grossen Tessiner Täler, das Rhonetal und die Surselva werden stark von den Verkehrs- und Energieinfrastrukturen beeinflusst, die der Gotthardraum für die Schweiz und Europa bereitstellt. Wirtschaftlich und kulturell ist der Raum eng mit den benachbarten Handlungs- und Ballungsräumen verflochten, von Zürich, Luzern und Bern bis Tessin und Mailand, und mit den Ost- und Westalpen.

Neben den Räumen an den Transitachsen umfasst der Gotthardraum eine Vielzahl weiterer Talschaften unterschiedlicher Ausprägung und Identität in den Kantonen BE (Oberland), NW, OW, UR, GL, GR, TI und VS. Er ist ein eigenständiger Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsraum mit einem inneren Netz von Zentren, von dem die Grundversorgung in den Talschaften und im Gesamtraum ausgeht. Die Dichte an alpinen Vernetzungsinfrastrukturen zwischen den Teilregionen ist hoch. Der Raum ist heute geprägt durch eine Dynamik und einen Strukturwandel mit neuen Entwicklungsansätzen in den Zentren und im Tourismus nach der Inbetriebnahme der NEAT. Die Seitentäler sind jedoch weiterhin von der Abwanderung der jungen Bevölkerung sowie Überalterungstendenzen betroffen.

Zusammen mit den Talschaften prägen einzigartige Gebirgslandschaften den Gotthardraum. Die intensive touristische Nutzung konzentriert sich trotz der Grösse des Raums auf wenige Gebiete. Sie ist für die Region von wachsender Bedeutung.

Vernetzung und Anbindung an die umliegenden Wirtschafts- und Metropolitanräume verbessern

Durch die vielfältigen Beziehungen und Abhängigkeiten des Gotthardraums mit den umliegenden Handlungs-, Wirtschafts- und Metropolitanräumen ist es von grosser Bedeutung, dass die Anbindung insbesondere im öV, aber auch auf der Strasse, gestärkt wird. Dies sowohl über die Zugangspunkte am Rand des Gotthardraums wie auch mit direkten Verbindungen aus der Tiefe des Gotthardraums. Die Bahntransit-Infrastrukturen sollen einen Erschliessungsgewinn für den Raum bringen. Die Gotthard-Bergstrecke übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Ihre Funktionsfähigkeit ist zu erhalten und zu verbessern.

Auswirkungen des Klimawandels minimieren

Strategisch wichtige Infrastrukturen ebenso wie Wohn-, Arbeits-, Freizeit- und Tourismusräume und Anlagen werden durch Schutzbauten und eine vorausschauende Raumentwicklung gegen Naturgefahren geschützt. Ihre Bewohn- und Nutzbarkeit ist zu sichern. Die ökologische Infrastruktur ist zu stärken und die Funktionalität der Naturräume zu erhalten und verbessern.

Die Wirtschaftsschwerpunkte stärken, regionale Arbeitsplätze sichern und vorteilhafte Rahmenbedingungen für ihre Weiterentwicklung schaffen

Die Leventina und das Urner Reusstal, das Oberwallis und das Vorderrheintal bis Chur, aber auch das Sarneraatal, der Talboden um Stans, der Schwyzer Talkessel und das Linthtal sind als diversifizierte Wirtschaftsschwerpunkte zu stärken. Sie sind für die Versorgung und als Arbeitsplatzgebiete sehr wichtig.

In den Zentren, angepasst auf ihre Bedeutung und ihr Einzugsgebiet, sind vorteilhafte Rahmenbedingungen für Betriebe und Arbeitsplätze im Gewerbe, im Dienstleistungssektor und in der Industrie zu schaffen. Möglichkeiten der Dezentralisierung und Diversifizierung wirtschaftlicher Aktivitäten sind zu nutzen. Dazu kommt die Stärkung und Schaffung von Bildungs- und Kulturangeboten.

Kleinräumige Versorgungskonzepte entwickeln

Die Grundversorgung und der Service Public sind in den verschiedenen Teilräumen und bis in die peripheren Talschaften sicherzustellen. Ausgehend von den regionalen Zentren ist eine kleinteilige und flexible Versorgung auf- und auszubauen.

Touristische Gebiete stärken und Naturräume erhalten

Die touristischen Zentren sind an die sich wandelnden Gästebedürfnisse anzupassen. Die Balance zwischen touristisch stark beziehungsweise schwach genutzten Gebieten einerseits, sowie ungestörten Naturräumen andererseits, soll erhalten bleiben. Um den Ganzjahrestourismus zu fördern, sind die regionalen Stärken im Bereich Natur und Kultur in Wert zu setzen. Im Vordergrund steht die Eignung des Gotthardraums als überregionale, vielseitige Sportdestination rund um einmalige Bahnerlebnisse.

Natur, Landschaft und touristische Nutzung sind eng verflochten. Touristische Nutzungen sind in dafür geeignete Regionen zu lenken. Im Vordergrund steht ein qualitatives Wachstum mit längeren Aufenthaltsdauern und höherer regionaler Wertschöpfung. Eine angemessene Erreichbarkeit der touristischen Zentren ist sicherzustellen. Zudem ist der Bezug zu umliegenden touristischen Gebieten wie Vierwaldstättersee, Luzern oder Locarno auszubauen.

In den peripher gelegenen Talschaften stehen Ansätze für einen kleinteiligeren Tourismus im Vordergrund, ausgehend von Aufenthaltsmöglichkeiten in den Ortskernen oder den Tessiner Rustici. Das Gleichgewicht zwischen Landschaft, Tourismus und Wirtschaft ist der Schlüssel für die Funktionsfähigkeit dieser Gebiete. Eine vernünftige Nutzung bestehender landschaftsprägender Objekte ist zu ermöglichen.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Allgemein besteht ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum. In touristischen Zentren ist er für die einheimische Wohnbevölkerung besonders akzentuiert. Lokal angepasste Strategien zur Lösung der Wohnraumfrage sind zu entwickeln. Dabei sind auch innovative Modelle anzuwenden.

Hochalpine Landschaften schützen, erneuerbare Energie an geeigneten Standorten nutzen

Die hochalpinen Naturlandschaften haben einen erhöhten Schutzbedarf. Die Auswahl von Gebieten, die sich für grossmassstäbliche Energieproduktions- und Speicherinfrastrukturen (Wasserkraft, Windenergie, PV) eignen, erfolgt mit grosser Sorgfalt und unter Abwägung aller betroffenen Interessen.

Neben dem Ausbau der Winterstrom-Produktion liegt ein zusätzliches Potenzial im Zusammenschluss bestehender Infrastrukturen und Anlagen zur Optimierung ihrer Nutzung.

Land- und Waldwirtschaft stärken und steuern, das kulturelle Erbe umsichtig weitertragen und nutzen

Um die alpinen Landschaften zu erhalten und zugleich wirtschaftlich besser zu nutzen, sind der natur- und kulturnahe Tourismus sowie die Herstellung regionaler Produkte zu stärken. Dies muss in enger Zusammenarbeit mit der Land- und Waldwirtschaft geschehen, die für Pflege und Erhalt der Qualität der Landschaften und die Stärkung der Biodiversität sorgen. Das kulturelle Erbe, insbesondere die charakterprägenden Bauten sowie die historischen Verkehrswege mit ihrer landschaftlichen Umgebung, ist so zu nutzen und weiterzuentwickeln, dass die langfristige volkswirtschaftliche Entwicklung identitätsstiftend unterstützt wird.

Kantonsübergreifende Kooperationen ausbauen

Um die Funktionsfähigkeit und Ausstrahlung zu stärken und die Ressourcen optimal zu nutzen, sind die bestehenden Ansätze zur kantonsübergreifenden Zusammenarbeit zu auszubauen. Projekte wie die Umsetzungsprogramme des Programms San Gottardo verleihen wichtige Impulse. Kooperationen in den Bereichen Infrastruktur, Versorgung, Energie, Naturschutz, Kulturraum, insbesondere mit der Città Ticino, Luzern sowie den West- und Ostalpen, werden unterstützt.

Westalpen
Westalpen
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Westalpen

Der Handlungsraum Westalpen besteht aus dem Wallis, den Waadtländer Alpen und dem Berner Oberland und reicht bis zu den Freiburger Alpen und in die französischen und italienischen Grenzregionen. Er verfügt über eine hohe Attraktivität als Lebens-, Kultur- und Wirtschaftsraum, und bietet überschaubare Siedlungsstrukturen in der grossartigen alpinen Landschaft. Historisch und in kultureller Hinsicht bestehen starke Verflechtungen ins Mittelland, an den Genfersee, ins Aostatal und ins Piemont, ins Valle d’Ossola und die Lombardei, sowie in den Gotthardraum, den Tessin und nach Graubünden. Vier Achsen prägen den Raum und vernetzen ihn grossräumig: das Rhonetal als Teil der zentralen Ost-West-Achse im Alpenraum, die alpine Verbindung von Montreux nach Bern, die Alpentransversale Lötschberg-Simplon, und der Grosse Sankt Bernhard.

Die Westalpen sind ein wichtiges Tourismusgebiet, vom Berner Oberland über die Waadtländer und Fribourger Alpen bis in den Kanton Wallis. Mit dem UNESCO Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch, der Grenzregion Schweiz-Italien-Frankreich um Dufourspitze, Matterhorn, Grand Combin, Mont Blanc, dem Rhonetal, Gstaad - Château d’Oex, Crans-Montana, Verbier, Villars und Saas-Fee verfügt der Handlungsraum über spezielle Naturräume und touristische Trümpfe im internationalen Wettbewerb.

Gleichzeitig bildet das 100 Kilometer lange Rhonetal im Wallis einen dynamischen, national und international vernetzten Wirtschaftsraum. Er wird durch vier Schwerpunkte bestimmt, nämlich den Agglomerationen Chablais, Martigny, Sion-Sierre, sowie Brig-Visp. Mit diesem Wirtschaftsraum, der Landwirtschaft, dem Tourismus und der Energieerzeugung verfügen die Westalpen über eine vielfältige wirtschaftliche Struktur.

Neben den Agglomerationen und touristischen Destinationen sind insbesondere die regionalen Zentren und die regionalen Naturpärke von Bedeutung, um auch die kleineren, peripher gelegenen und dispers besiedelten Talschaften als Lebens-, Wirtschafts- und Kulturräume funktionsfähig zu erhalten.

Die Anbindung an die umliegenden Wirtschafts- und Metropolitanräume verbessern

Um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, sind die Verflechtungen und Vernetzungen aus allen Gebieten des Handlungsraums mit den umliegenden Regionen weiterzuentwickeln und zu verbessern. Dies betrifft namentlich den Zugang zur Genferseeregion, zur Hauptstadtregion Bern und zum Metropolitanraum Zürich, aber auch die Stärkung der alpenquerenden Ost-West-Achse Richtung Gotthardraum und Ostalpen und die Verbindung zwischen Oberwallis und Italien via den Simplon.

Die innere Vernetzung stärken, die Erreichbarkeit der Zentren gewährleisten

Es ist sicherzustellen, dass die wichtigen Zentren in den Westalpen untereinander sowie aus den benachbarten Regionen rasch erreichbar sind. Die feinteilige Vernetzung und Erschliessung für Energie und Verkehr ins Umfeld des Handlungsraums über weitere Achsen ist zu verbessern. Die touristischen Transportketten aus dem Rhonetal, von der Riviera am Genfersee sowie von Spiez und Interlaken zu den touristischen Zentren sind zu verbessern. Vielerorts sind die Taktfrequenzen im öV zu optimieren, unter anderem zur Stärkung des Ganzjahrestourismus. Innovative Lösungen für Spitzenzeiten sind anzustreben. Die Entwicklung von Verbindungen zwischen dem Talgrund und den Talflanken, bzw. den Seitentälern, die in direktem Zusammenhang mit den SBB-Bahnhöfen und den Seilbahnanlagen stehen, soll in ländlichen und periurbanen Räumen eine Verlagerung des Pendler- und Tourismusverkehrs von der Strasse auf die Schiene ermöglichen.

Auswirkungen des Klimawandels minimieren

Strategisch wichtige Infrastrukturen ebenso wie Wohn-, Arbeits-, Freizeit- und Tourismusräume und Anlagen werden durch Schutzbauten und eine vorausschauende Raumentwicklung gegen Naturgefahren geschützt. Ihre Bewohn- und Nutzbarkeit ist zu sichern. Die ökologische Infrastruktur ist zu stärken und die Funktionalität der Naturräume zu erhalten.

Die Rhoneebene als multifunktionalen Raum aufwerten, Städte und Agglomerationen profilieren

Die Raumentwicklung im multifunktionalen Talboden des Rhonetals ist gestützt auf eine gemeinde- und regionsübergreifende Strategie zu steuern. Dabei gilt es, die Bedürfnisse einer konzentrierten Siedlungsentwicklung, der Wirtschaft, der Landwirtschaft, des Hochwasserschutzes, der Natur und der Naherholung zu berücksichtigen. Die dritte Rhonekorrektion bietet die Chance, eine allgemein akzeptierte Raumordnung herzustellen, die den Nutzungsansprüchen von Wirtschaft, Wohnen, Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Landschaft langfristig gerecht wird.

Die Städte und Agglomerationen im Rhonetal identifizieren ihre jeweiligen Stärken und Potenziale. Gestützt darauf soll eine verbesserte Funktionsteilung vereinbart werden, damit effiziente Dienstleistungen erbracht und ausgezeichnete Infrastrukturen angeboten werden können. Die Dynamik im Bildungsbereich und in den Innovationsnetzwerken soll weitergeführt werden, mit einem Fokus auf Wasser-Management und nachhaltige Ressourcen.

In den Agglomerationen, Städten und Dörfern ist der Thematik der landschaftlichen Integration des Bauens und Gestaltens ebenfalls grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Die Bemühungen um die Baukultur sind fortzusetzen.

Vorteilhafte Rahmenbedingungen für regionale Arbeitsplätze sichern und schaffen

In den Zentren sind vorteilhafte Rahmenbedingungen für Betriebe und Arbeitsplätze im Gewerbe, im Dienstleistungssektor und in der Industrie zu schaffen. Aktivitäten mit direktem Nutzen für die Wohnbevölkerung sollen besonders berücksichtigt werden. Um die Talschaften funktionsfähig zu erhalten und zu entwickeln, sind Möglichkeiten der Dezentralisierung und Diversifizierung wirtschaftlicher Aktivitäten zu nutzen. Dafür ist die Koordination zwischen den verschiedenen sektoralen Politiken und ein Arbeitszonenmanagement auf regionaler Ebene erforderlich.

Kleinräumige Versorgungskonzepte entwickeln

Die Grundversorgung und der Service Public sind in den verschiedenen Teilräumen und bis in die peripheren Talschaften sicherzustellen. In Letzteren ist ausgehend von den regionalen Zentren eine kleinteiligere und flexiblere Versorgung auf- und auszubauen.

Touristische Gebiete stärken und Naturräume erhalten

Die touristischen Destinationen passen sich an die wechselnden Bedürfnisse der Gäste an. Um den Ganzjahrestourismus zu fördern, sind die regionalen Stärken im Bereich Natur, Kultur und der lokalen landwirtschaftlichen Produktion touristisch besser in Wert zu setzen. Der Wintertourismus wird durch die Weiterentwicklung der dafür geeigneten Gebiete gestärkt.

Die Balance zwischen touristisch stark sowie schwach genutzten Gebieten einerseits, und ungestörten Naturräumen und intakten Naturlandschaften andererseits, soll gewahrt werden. Touristische Nutzungen sind in dafür geeignete Regionen zu lenken. Chancen und Risiken grosser touristischer Anlagen sind gegeneinander abzuwägen. Neue Anlagen sollen in die bestehenden Strukturen integriert oder – bei ausgewiesenem Bedarf – an diese angegliedert werden und ein qualitatives Wachstum anstreben, mit längeren Aufenthaltsdauern und höherer regionaler Wertschöpfung.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Allgemein besteht ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum. In touristischen Zentren ist er für die einheimische Wohnbevölkerung besonders akzentuiert. Lokal angepasste Strategien zur Lösung der Wohnraumfrage sind zu entwickeln. Dabei sind auch innovative Modelle anzuwenden.

Hochalpine Landschaften schützen, erneuerbare Energie an geeigneten Standorten nutzen

Die hochalpinen Naturlandschaften haben einen erhöhten Schutzbedarf. Die Auswahl von Gebieten, die sich für grossmassstäbliche Energieproduktions- und Speicherinfrastrukturen (Wasserkraft, Windenergie, PV) eignen, erfolgt mit grosser Sorgfalt und unter Berücksichtigung aller notwendigen Interessen. Neben dem Ausbau der Winterstrom-Produktion liegt ein zusätzliches Potenzial im Zusammenschluss bestehender Infrastrukturen und Anlagen zur Optimierung ihrer Nutzung.

Land- und Waldwirtschaft stärken, das kulturelle Erbe und die Landschaften umsichtig nutzen

Um die alpinen Landschaften zu erhalten und zugleich wirtschaftlich besser zu nutzen, sind der natur- und kulturnahe Tourismus sowie die Herstellung regionaler Produkte zu stärken. Dies muss in enger Zusammenarbeit mit den regionalen Naturpärken, der Land- und Waldwirtschaft geschehen. Sie tragen dazu bei, die wirtschaftliche und soziale Lebendigkeit des Handlungsraums sowie eine hohe touristische Attraktivität zu gewährleisten und die Biodiversität zu stärken. Es ist zu prüfen, in welchen Gebieten eine Abnahme der land- und alpwirtschaftlichen Nutzung mit Fördermassnahmen verhindert werden soll.

Die Kulturlandschaften sollen als Lebens- und Wirtschaftsraum ihrem Charakter entsprechend entwickelt und gepflegt werden. Das kulturelle Erbe, insbesondere die historischen Verkehrswege, Dorfteile und Maïensässe mit ihrer landschaftlichen Umgebung, ist zu pflegen.

Zusammenarbeit weiterentwickeln

Die bestehenden Kooperationen im Espace Mont-Blanc und in der Region Domodossola-Aostatal sollen weiterentwickelt werden, ebenso wie jene an der Schnittstelle zum Gotthardraum und zum Espace métropolitain lémanique transfrontalier mit der Region Chablais.

Ostalpen
Ostalpen
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Ostalpen

Der dreisprachige Handlungsraum Ostalpen zeichnet sich durch seine vielen Täler und deren Ausrichtung zu verschiedenen Kulturkreisen hin aus. Er ist wirtschaftlich mit den Metropolitanräumen Zürich, München und Mailand verbunden. Geprägt durch historische Verbindungs- und Transitachsen, bestehen zudem enge Beziehungen zum Bodenseeraum und Vorarlberg im Norden, dem Tirol und Südtirol im Osten, dem Veltlin und dem Tessin im Süden und dem Gotthardraum und den Westalpen im Westen.

Aus einigen dieser historischen und länderübergreifenden Verkehrswege wurden zwischenzeitlich moderne Energie- und Verkehrskorridore. In Nord-Süd-Richtung sind dies die Verbindungen via San Bernardino, Julier-Bernina oder Maloja, Flüela- und Ofenpass sowie Oberalp-Lukmanier. In Ost-West-Richtung die Verbindung vom Vorderrheintal zum Rhonetal und die Achse Engadin-Bergell. Dabei dominieren strassengebundene Erschliessungen.

Chur ist das wichtigste urbane Zentrum des Handlungsraums. Der Einflussbereich der gleichnamigen Agglomeration umfasst grosse Teil der Ostalpen. Mit Klosters-Davos, Engadin St. Moritz, Lenzerheide-Arosa und Flims-Laax verfügt der Raum über vier international bekannte touristische Hotspots, die eine urbane Prägung aufweisen.

Regionale Zentren versorgen die Bevölkerung in den Talschaften und tragen wesentlich zu deren Funktionsfähigkeit als Lebens-, Wirtschafts- und Kulturräume bei.

Neben dem Tourismus sowie leistungsfähigen Industrie- und Dienstleistungsbetrieben hat die Produktion von Energie aus erneuerbaren Quellen eine hohe wirtschaftliche Bedeutung.

Die Anbindung an die umliegenden Wirtschafts- und Metropolitanräume verbessern, funktionale Verflechtungen weiterentwickeln

Die funktionalen Verflechtungen mit den benachbarten Metropolitanräumen sowie den umgebenden in- und ausländischen Regionen werden in den Bereichen Wirtschaft, Energie, Tourismus, Bildung und Kultur weiterentwickelt. Dabei hat die Intensivierung der Verbindungen zum Metropolitanraum Zürich – insbesondere aufgrund seiner Funktion als internationaler Hub – eine besonders hohe Bedeutung. Eine weitergehende Verflechtung mit dem Bodenseeraum, nach München und Stuttgart, nach Liechtenstein und Vorarlberg, ins Tirol, nach Mailand und in die benachbarten italienischen Regionen wird ebenfalls angestrebt, nicht zuletzt beim öffentlichen Verkehr. Ausbauten von Verkehrsinfrastrukturen sind eng mit der Stadt- und Regionalentwicklung zu koordinieren, damit durch geeignete Anschlüsse und Halteorte in den durchquerten Talschaften auch Mehrwerte entstehen (und nicht nur Emissionen).

Erreichbarkeit der Zentren effizient gewährleisten

Die städtischen, Tourismus- und regionalen Zentren sind untereinander, aus den benachbarten Talschaften sowie aus den umgebenden Handlungsräumen rasch, verlässlich und effizient erreichbar. Eine angemessen feine Netzstruktur des öffentlichen Verkehrs ist gewährleistet. Das regionale Verkehrssystem wird mit geeigneten Massnahmen von den massiven periodischen Überlastungen der strassengebundenen Transitkorridore abgeschirmt. Die Komplementarität des öffentlichen Verkehrs und des motorisierten Individualverkehrs wird weiterentwickelt, wobei den Verkehrsdrehscheiben ein besonderes Augenmerk gilt.

Neben einer nachhaltigkeitsorientierten Weiterentwicklung der Infrastrukturen werden auch die Taktfrequenzen im öffentlichen Verkehr und die Abfolge der Transportketten optimiert. In peripheren Gebieten wird eine angemessene Erschliessungsqualität gewährleistet. Modelle zur Flexibilisierung und Attraktivierung des Angebots (z. B. durch autonome Fahrzeuge) werden geprüft und umgesetzt.

Auswirkungen des Klimawandels minimieren

Strategisch wichtige Infrastrukturen ebenso wie Wohn-, Arbeits-, Freizeit- und Tourismusräume sowie deren Anlagen werden durch Schutzbauten und eine vorausschauende Raumentwicklung gegen Naturgefahren geschützt. Ihre Bewohn- und Nutzbarkeit ist zu sichern. Die ökologische Infrastruktur ist zu stärken und die Funktionalität der Naturräume zu erhalten.

Die Agglomeration Chur und den multifunktionalen Talboden im Rheintal aufwerten und entwickeln

Die Agglomeration Chur und der multifunktionale Talboden von Thusis bis Sargans werden als dynamischer Wirtschafts- und Bildungsstandort sowie als Lebens- und Kulturraum gestärkt und weiterentwickelt. Dabei werden Bedürfnisse einer konzentrierten Siedlungsentwicklung, der Wirtschaft, der Landwirtschaft, des Schutzes gegen Naturgefahren, der Natur und der Naherholung einbezogen.

Gestützt auf ihre jeweiligen Stärken und Potenziale entwickeln die einzelnen Gebiete und Orte die bereits bestehende Funktionsteilung weiter, damit effiziente Dienstleistungen erbracht und ausgezeichnete Infrastrukturen angeboten werden können. Ebenso wird die bestehende Dynamik im Bildungsbereich, wo sinnvoll, intensiviert.

Touristische Gebiete stärken und Naturräume erhalten

Touristische Angebote werden an die sich ändernden Gästebedürfnisse und den Klimawandel angepasst. Einerseits sind der Sommertourismus und die damit verbundenen touristischen Aktivitäten vermehrt in Wert zu setzen. Andererseits ist der Wintertourismus durch die gezielte Entwicklung der dafür geeigneten Gebiete zu stärken.

Die Balance zwischen touristisch genutzten Gebieten und ungestörten Naturräumen soll möglichst gewahrt bleiben. Intensive touristische Nutzungen werden an Schwerpunkten möglichst konzentriert entwickelt und geeignete Naturräume (insbesondere Wildtier-Ruheräume) werden entlastet.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Allgemein besteht ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum. In touristischen Zentren ist er für die einheimische Wohnbevölkerung besonders akzentuiert. Lokal angepasste Strategien zur Lösung der Wohnraumfrage sind zu entwickeln. Dabei sind auch innovative Modelle anzuwenden.

Vorteilhafte Rahmenbedingungen für regionale Arbeitsplätze sichern und schaffen

Gute, insbesondere räumliche, Bedingungen für innovative und exportorientierte Unternehmen haben eine hohe Priorität und werden durch ein Arbeitszonenmanagement unterstützt. Branchenspezifische Clusterbildungen ebenso wie wirtschaftliche Aktivitäten mit direktem Nutzen für die Wohnbevölkerung, im Sinne einer Dezentralisierung und Diversifizierung, sind von besonderer Bedeutung.

Das lokale Gewerbe in peripheren Talschaften unterstützt den Strukturerhalt und die Lebendigkeit durch eine möglichst hohe Internalisierung der Wertschöpfungsketten, zum Beispiel durch die Kombination von natur- und kulturnahem Tourismus, Landwirtschaft und verarbeitendem Gewerbe. Eine effiziente Koordination zwischen sektoralen Politiken trägt weiter zu guten Rahmenbedingungen für die lokale Wirtschaft bei.

Angepasste Versorgungskonzepte entwickeln

Die Grundversorgung und der Service Public ist bis in die peripheren Talschaften zu gewährleisten. Dabei können auch innovative Versorgungsmodelle zur Anwendung kommen, zum Beispiel multifunktionale Dorfläden, Läden mit E-Zutritt etc.

Hochalpine Landschaften schützen, erneuerbare Energie gezielt entwickeln

Hochalpine Naturlandschaften sind besonders verletzlich. Die Auswahl von Gebieten, die sich für grossmassstäbliche Energieproduktions- und Speicherinfrastrukturen (Wasserkraft, Windenergie, PV) eignen, erfolgt mit grosser Sorgfalt und unter Berücksichtigung aller notwendigen Interessen. Energie-Cluster und Anlagen mit Synergien zu bestehenden Infrastrukturen sind zu favorisieren.

Land- und Waldwirtschaft stärken und steuern, Natur- und Kulturerbe umsichtig nutzen

Land- und Waldwirtschaft tragen zum Erhalt der alpinen Kulturlandschaften bei. Natur- und kulturnaher Tourismus und die Vermarktung regionaler Produkte unterstützen eine sanfte und umsichtige Landschaftsentwicklung weiter. Sie tragen zur Attraktivität von Talschaften bei und fördern die Biodiversität. Bestehende innovative Wirtschaftsmodelle werden weiterentwickelt.

Das reiche Natur- und Kulturerbe wird für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung in Wert gesetzt. Besonders Kulturlandschaften werden ihrem Charakter entsprechend weiterentwickelt und gepflegt.

Zusammenarbeit weiter vorantreiben

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird vorangetrieben. Die Standort-, Projekt- und Themen-bezogenen Kooperationen mit den angrenzenden Partnergebieten werden weiterentwickelt.

Leitidee, Ziele und Strategien

Leitidee

Ziele

Strategien

  1. Polyzentralität, Kooperation und regionale Vielfalt stärken
  2. Natürliche Lebensgrundlagen sowie eine hohe landschaftliche und bauliche Qualität sichern
  3. Räume für die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft vorsehen, Mobilität und Energie umwelt- und klimagerecht ausgestalten

Die Trägerinnen und Träger

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