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Leitidee
Leitidee

Leitidee

Die Schweiz ist ein vielfältiges, mehrsprachiges Land. Auch in Zukunft soll sie uns allen Raum bieten, um uns gesellschaftlich und wirtschaftlich zu entfalten und den Wohlstand und den sozialen Zusammenhalt zu erhalten. Unser Handeln ist umweltverträglich und ressourcenschonend. Durch einen sorgsamen Umgang mit dem begrenzten Raum und die Weiterentwicklung bestehender Strukturen bleibt Gutes erhalten und es gibt Platz für Neues.

Ziele
Ziele

Ziele

Die Ziele des Raumkonzepts Schweiz beschreiben einen erstrebenswerten Zustand. Die Ziele beziehen sich auf einen Zeithorizont um 2050 und basieren auf qualitativen Kriterien. Sie sind evaluierbar, aber nicht messbar. Die Ziele haben einen gesamtschweizerischen Fokus und berücksichtigen die Vielfalt und die Identität der Regionen. Sie beziehen sich auf alle Raumtypen – ob in den Städten, den Agglomerationen, auf dem Land oder in den Bergen. Analog zu den Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung sind die Ziele des Raumkonzepts Schweiz gleichwertig zu berücksichtigen. Bestimmte Ziele erscheinen auf den ersten Blick unvereinbar. Solchen Zielkonflikten begegnen wir mit Strategien, die mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen und wo möglich die Konkurrenz zwischen räumlichen Interessen und Nutzungsbedürfnissen auflösen. Wenn die Ziele des Raumkonzepts in konkreten Vorhaben zur Anwendung kommen, setzten die Verantwortlichen im Planungsprozess die Prioritäten.

  1. Die Schweiz hat vielfältige, attraktive Räume und Regionen, die zusammenhalten
    Vielfältige Regionen und Räume, die auf ihre jeweils eigenen Stärken setzen, prägen die Schweiz. Die Regionen arbeiten auf Augenhöhe zusammen und sind auf das Gemeinwohl ausgerichtet. Die Menschen leben und wirtschaften in unterschiedlichen Räumen. Sie beteiligen sich an den Prozessen und Entscheidungen zur räumlichen Entwicklung, die ihr Lebensumfeld betreffen, und profitieren davon. Der Zusammenhalt zwischen den Regionen und in der Gesellschaft ist stark.
  2. Die Schweiz ist nach innen und aussen vernetzt
    Der polyzentrische Raum Schweiz mit seinen starken Netzwerken von Personen, Organisationen, und Infrastrukturen bietet nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten für Gesellschaft und Wirtschaft. Er verbindet über administrative, geografische und sektorale Grenzen hinweg.
  3. Die natürlichen Lebensgrundlagen sind dauerhaft gesichert
    Die urbanen und ländlichen Räume sowie das Berggebiet verfügen über die natürlichen Grundlagen, die für das Leben unverzichtbar sind. Alle Räume sind funktionsfähig und resilient, weil sie sich den Naturgefahren und dem Klimawandel angepasst haben. Die räumliche Entwicklung ist umweltverträglich und unterstützt einen gesunden, nachhaltigen Lebensstil. Sie sichert eine nachhaltige Versorgung mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Energie.
  4. Alle Regionen bieten ein qualitätsvolles, identitätsstiftendes Lebensumfeld
    Die Regionen der Schweiz eröffnen ihren Bewohnerinnen und Bewohnern Entwicklungsperspektiven, aber auch die Möglichkeit, sich mit dem Lebensumfeld zu identifizieren und am sozialen Leben teilzuhaben. Naturlandschaften sind erhalten und Kulturlandschaften werden nachhaltig bewirtschaftet und weiterentwickelt. Das Kulturerbe wird gepflegt und ist zugänglich. Siedlungsräume, Bauten und Freiräume sind qualitätsvoll gestaltet. Sie schaffen ein hochwertiges Lebensumfeld und fördern das Wohlbefinden sowie die Gesundheit der Menschen.
  5. Mobilität und Energieversorgung sind effizient, umwelt- und klimaverträglich
    Mobilität und Energieversorgung sowie die Infrastrukturen, die dazu nötig sind, decken den Bedarf. Sie stehen im Einklang mit einer umwelt- und klimaverträglichen Raumentwicklung und unterstützen diese. Verkehrserschliessung und Energieversorgung des Landes sind in allen Regionen und Raumtypen gewährleistet. Sie sind effizient und wirtschaftlich tragbar.
  6. Die Schweiz bietet Raum für nachhaltiges Wirtschaften und Wohnen in allen Regionen
    Die Raumnutzung durch den Menschen entwickelt sich mit innovativen, klima- und ressourcenschonenden Ansätzen wo immer möglich in gut erschlossenen Gebieten innerhalb der bestehenden Substanz weiter. Sie berücksichtigt dabei die Bedürfnisse der Bevölkerung, deren Entwicklung und den demografischen Wandel ebenso wie die Ansprüche der Wirtschaft. Regionen und Raumtypen nutzen ihre ortsspezifischen Entwicklungschancen und halten mit Veränderungen Schritt.
Strategien
Strategien

Strategien

Polyzentralität, Kooperation und regionale Vielfalt stärken
Polyzentralität, Kooperation und regionale Vielfalt stärken
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Polyzentralität, Kooperation und regionale Vielfalt stärken

Wir fördern räumliche und regionale Stärken und festigen Akteursnetzwerke, indem wir die Zusammenarbeit und Teilhabe in den Handlungsräumen intensivieren.

Die erste Strategie stellt die Organisation des Raums ins Zentrum. Mit einer grossregionalen Betrachtung fördern wir die Zusammenarbeit über Sachbereiche, Staatsebenen sowie innere wie äussere Grenzen hinweg. Eine vernetzte Raumorganisation, gesamtheitliche Vorgehensweisen und die angemessene Teilhabe aller Betroffenen sind das Fundament für eine erfolgreiche Gestaltung des Wandels. Wir stärken die polyzentrische Raumgliederung der Schweiz. Die Polyzentralität – also die räumliche Ausrichtung auf mehrere Zentren – steht und fällt mit einer guten landesweiten verkehrlichen Einbindung und einer ähnlich hohen Lebensqualität in unterschiedlichen Zentren. Eine regional verankerte, zielgerichtete Partizipation setzt Entwicklungen in Gang, die den Eigenheiten eines Ortes entsprechen und die von der Bevölkerung mittgetragen werden. Chancengerechtigkeit und Mitwirkung der Bevölkerung sind Grundlagen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz.

Polyzentralität

Die Schweiz ist gekennzeichnet durch vielfältige grosse, mittlere und kleine Zentren, die miteinander und mit ihrem Umfeld vernetzt sind. Die Nähe zu einem Zentrum ermöglicht einem Grossteil der Bevölkerung kurze Wege und einen raschen Zugang zu Arbeitsplätzen, Versorgungs-, Bildungs-, Dienstleistungs- und Freizeiteinrichtungen. Angesichts ihrer Funktionen übernehmen Zentren Aufgaben für ihr Umland. Zentren und Umland bilden zusammen starke Regionen mit einer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Identität. Die Regionen stehen für lokale Bedürfnisse ein. Eine gelungene polyzentrische Raum- und Infrastrukturentwicklung auf allen Massstabsebenen ist ausschlaggebend für den Wirtschaftsstandort. Sie hilft der Schweiz, die Kräfte entsprechend der kleinteiligen staatlichen und räumlichen Ordnung zu bündeln und sich im globalen Wettbewerb zu behaupten.  

80 Prozent der Bevölkerung leben im urbanen Raum. Grosse, mittlere und kleine Städte und Agglomerationen haben eine soziale und eine politische Bedeutung. Sie tragen massgeblich zur Wirtschaftsleistung der Schweiz bei. Wir achten darauf, dass die wirtschaftliche Entwicklung stets auch mit einer hohen Lebens- und Wohnqualität einhergeht, die örtlichen Besonderheiten unterstreicht und den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung entspricht. Eine gute soziale und funktionale Durchmischung von Städten, Quartieren, Siedlungen und Dörfern erhöht den sozialen Zusammenhalt und die Teilhabe. Wir berücksichtigen in der polyzentrischen räumlichen Entwicklung die Herausforderungen der grossen Städte und Agglomerationen. Sie übernehmen eine wichtige Rolle als Indikatoren für Veränderungen. Sie wirken als Wegbereiter für eine qualitätsvolle Innenentwicklung. Grosse Städte bieten als bedeutende Bildungs-, Forschungs- und Kulturorte und dank ihrer gesellschaftlichen Vielfalt ein attraktives Lebensumfeld. Sie erbringen herausragende Wirtschaftsleistungen und sind prädestiniert dafür, Innovation zu erzeugen. 

Agglomerationen, mittlere und kleine Städte sind attraktive Wohn- und Wirtschaftsstandorte. Durch eine nachhaltige, qualitätsvolle Transformation, die verkehrliche Einbindung in das Städtenetz sowie attraktive Dienstleitungen und Infrastrukturen haben sie auch künftig gute Voraussetzungen, um wirtschaftliche Aktivitäten und zusätzliche Bevölkerung aufzunehmen. Zwischen städtischen Räumen liegen die intermediären Räume, die für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft von grosser Bedeutung sind. Diese Räume sind auch attraktive Wohnstandorte und Naherholungsgebiete, da sie oft von naturnahen Landschaften durchzogen und meistens gut erschlossen sind. Dementsprechend müssen sie zahlreichen Nutzungsansprüchen mit massgeschneiderten Lösungen gerecht werden.

Die Regionalzentren übernehmen eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt, die Grundversorgung und die Vitalität des ländlichen Raums. Ländliche Räume und Berggebiete erfüllen wichtige Funktionen für Wirtschaft, Tourismus, Erholung, Kultur und Energieproduktion. Sie erbringen damit elementare Leistungen für das ganze Land. Sie bestimmen ihre Chancen zur ortsspezifischen Entwicklung partnerschaftlich. Überkommunale Versorgungsfunktionen und Begegnungsorte lenken sie gezielt auf ihre Zentren. Bei der regionalen Zusammenarbeit berücksichtigen sie die Topografie, die in diesen Gebieten eine massgebende Bedingung darstellen kann.

Die Zentren grosser alpiner Tourismusgebiete erfüllen für die regionale Bevölkerung wichtige Zentrumsfunktionen. Sie dienen auch dem Sport, der Freizeit und dem inländischen Tourismus. Darüber hinaus sind die Tourismuszentren international positioniert und weltweit vernetzt. Wichtig ist es, eine adäquate Erschliessung zu gewährleisten und ihre Infrastruktur auf dem aktuellen Stand zu halten. Die durch die Jahreszeiten und die Besucherzahl stark variierende Nutzung der Infrastruktur und des Wohnraums stellt eine Herausforderung dar.

  • Kleine und mittlere städtische Zentren sind Städte, die Zentrumsfunktionen auf regionaler oder nationaler Ebene wahrnehmen. Ihre Stadtkerne zeichnen sich in der Regel durch bauliche Dichte und urbanes Flair aus. In diesen Städten gibt es neben Wohngebieten auch wirtschaftliche Aktivitäten. Kleine und mittlere Zentren sind gemeinhin eigenständige Städte mit oder ohne Agglomerationsgürtel. Sie liegen mitunter im Einflussgebiet einer grösseren Stadt und sind Nebenzentren innerhalb einer Agglomeration. Die kleinen städtischen Zentren gemäss Raukonzept Schweiz, werden im Jahr 2050 eine Zahl der Bevölkerung und Vollzeitäquivalent-Arbeitsplätze aufweisen, die unter 40'000 liegt. Bei mittleren städtischen Zentren wird der Wert über 40'000 liegen.

    «Kleines oder mittleres städtisches Zentrum» im Glossar
  • Eine Agglomeration ist ein zusammenhängender funktionaler Raum, der durchgehend dicht besiedelt ist. Sie besteht aus mindestens einem städtischen Zentrum und den umliegenden urbanen sowie suburbanen Räumen. Statistisch sind die Agglomerationen als Räume mit städtischem Charakter definiert. Sie sind in sich eng verwoben und polyzentrisch organisiert. Teilweise umfasst der Agglomerationsgürtel auch bedeutende Nebenzentren. Zahlreiche Agglomerationen unterschiedlicher Grösse entwickeln Agglomerationsprogramme, die über Gemeinde-, manchmal auch über Kantons- oder Landesgrenzen hinaus reichen. Die Programme umfassen Massnahmen, um den Agglomerationsverkehr zu bewältigen. Der Bund fördert die Vorhaben der Agglomerationen mit Beiträgen aus dem Programm Agglomerationsverkehr.

    «Agglomeration» im Glossar
  • Metropolitane und grosse städtische Zentren sind Kernstädte, die wichtige Zentrumsfunktionen auf nationaler Ebene wahrnehmen und die Schweiz ins internationale Städtenetz einbinden. Sie haben im Allgemeinen dichte Innenstädte und sind Orte der Begegnung, der Bildung, der Kultur und der Wissenschaft. In den grossen städtischen Zentren konzentrieren sich wertschöpfungsintensive Aktivitäten und Wirtschaftszweige, die von der nationalen und internationalen Vernetzung profitieren. In den grössten Städten des Landes sind Arbeitsplätze, welche die Wirtschaft generiert, ein wesentlicher Wachstumsfaktor. Bei metropolitanen Zentren ist die internationale Dimension besonders ausgeprägt. Die Stadtzentren bilden zusammen mit den Quartieren und Aussenbezirken ein polyzentrisches Siedlungsgefüge. Sie sind von einem Agglomerationsgürtel umgeben, der mit Nebenzentren wiederum polyzentrisch aufgebaut ist. Die metropolitanen Zentren des Raumkonzepts Schweiz werden 2050 eine Bevölkerung und eine Anzahl Vollzeitäquivalent-Arbeitsplätze haben, die zusammen die 250’000-Grenze übersteigen. In grossen städtischen Zentren werden zur gleichen Zeit mehr als 75'000 Menschen leben und arbeiten.

    «Metropolitanes oder grosses städtisches Zentrum» im Glossar
  • Die intermediären Räume sind siedlungsgeprägt, multifunktional und liegen zwischen den städtischen Zentren oder Agglomerationen. Ihre Bebauung ist weniger kompakt als jene der urbanen Zentren und Agglomerationen, die Siedlungen sind verstreuter. Das Siedlungsgebiet verläuft meist entlang der überregionalen Verkehrsachsen und ist im Allgemeinen gut erschlossen. Der multifunktionale intermediäre Raum ist durchzogen von Kulturland- und Waldflächen. Er ist attraktiv als Naherholungsraum und Wohnstandort. Aufgrund der starken Nachfrage nach Immobilien herrscht ein hoher Siedlungsdruck, zahlreiche Nutzungsansprüche treffen aufeinander. Die intermediären Räume drohen ihr grünes Erscheinungsbild einzubüssen, weil Ortschaften, die einst voneinander getrennt waren, nach und nach zusammenwachsen.

    «Multifunktionaler intermediärer Raum» im Glossar
  • Ein Regionalzentrum ist eine Ortschaft, die ausserhalb des Einflussgebiets einer Agglomeration liegt und für kleinere Orte in ihrem Umland zentralörtliche Funktionen erfüllt, etwa in der Bildung, dem Gesundheitswesen, der Verwaltung oder der Versorgung. Regionalzentren haben in der Regel einen kompakten, gut erkennbaren historischen Ortskern. In peripheren ländlichen Räumen und im Bergebiet übernehmen bisweilen auch kleine Ortschaften die Funktion eines Regionalzentrums, weil sie weit vom nächstgrösseren Ort entfernt sind, eine strategische Lage im Verkehrssystem haben oder über eine lokal bedeutende Ausbildungs- beziehungsweise soziale Infrastruktur verfügen. Die Regionalzentren des Raumkonzepts Schweiz werden 2050 eine Zahl der Bevölkerung und Vollzeitäquivalent-Arbeitsplätze haben, die zusammengerechnet kleiner ist als 20'000. Je nach Distanz zu einer übergeordneten Stadt oder Agglomeration variiert die Grösse der Regionalzentren stark. Die Regionalzentren des Raumkonzepts Schweiz werden 2050 eine Zahl der Bevölkerung und Vollzeitäquivalent-Arbeitsplätze haben, die zusammengerechnet kleiner ist als 20'000. Je nach Distanz zu einer übergeordneten Stadt oder Agglomeration variiert die Grösse der Regionalzentren stark.

    «Regionalzentrum» im Glossar
  • Ein grosses alpines Tourismusgebiet ist ein ausgedehnter, zusammenhängender Raum in den Alpen, in dem sich eine hohe Anzahl touristischer Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen konzentrieren. Das alpine Tourismusgebiet hat hohe Übernachtungszahlen und liegt auf einer Höhe von mindestens 1'000 m ü. M. Ein Gebiet kann eine oder mehrere zentrale Ortschaften beinhalten. Im Raumkonzept Schweiz sind auch ausländische Tourismusorte in grenzüberschreitenden Tourismusgebieten verzeichnet.

    «Grosses alpines Tourismusgebiet» im Glossar

Handlungsansätze

  • Die polyzentrische Raumentwicklung festigen; die vielfältigen Funktionen der Zentren für das Umland als wichtige Leistung anerkennen und durch geeignete Kooperationsstrukturen weiterentwickeln
  • Die polyzentrische Raumstruktur nutzen, um die Siedlungsentwicklung auf gut erschlossene Zentren mit Wachstumspotenzial und Infrastrukturkapazitäten zu lenken
  • Stärken ausbauen, Lücken mittels Kooperationen schliessen und nicht überall alles gleich entwickeln; dafür sorgen, dass die Regionen ihr Profil schärfen, Prioritäten setzen und sich mit einem Bewusstsein fürs Ganze entwickeln
  • Die Vielfalt der Regionen schätzen und pflegen; den Einwohnerinnen und Einwohnern soziale und politische Teilhabe an der Raumentwicklung ermöglichen, damit sie ihre Zukunft bewusst gestalten können

Handlungsräume und funktionale Räume

Eine nachhaltige räumliche Entwicklung kommt dann zustande, wenn strategische Entscheidungen mit einem Bewusstsein für das Ganze, überregional und langfristig getroffen werden und gleichzeitig die spezifischen lokalen Situationen ausreichend berücksichtigen. Zu diesem Zweck arbeiten wir in Handlungsräumen oder funktionalen Räumen zusammen – über Sachbereiche, Staatsebenen und innere wie äussere Grenzen hinweg. Prioritäten setzen wir im Dialog und entwickeln dabei gezielt jene Bereiche weiter, die sich sinnvoll ergänzen und im Gesamtsystem hohe Wirkung entfalten. 

Funktionale Räume gibt es auf allen Massstabsebenen, von Talschaften bis zu Regionen mit internationaler Dimension. Sie definieren sich durch starke räumliche und funktionale Verflechtungen, stimmen nicht immer mit Gemeinde-, Kantons- oder Landesgrenzen überein und halten sich auch nicht an Sprachregionen. In funktionalen Räumen organisieren sich die Gebietskörperschaften auf regionaler Ebene, um ihre Aufgaben wahrzunehmen, wie zum Beispiel bei den Agglomerationsprojekten. 

Die zwölf Handlungsräume des Raumkonzepts sind grossregionale Kooperations- und Willensräume. Sie bestehen durch den politischen Willen, Herausforderungen gemeinsam anzugehen und Synergien zu nutzen. Die Zusammenarbeit kann in übergeordnete Strategien, übereinstimmende Positionen oder räumliche Leitbilder münden. Sie kann helfen, gemeinsame Interessen und Komplementaritäten in vielseitig verflochtenen Räumen zu erkennen. Der Dialog dient dazu, Unterschiede in der räumlichen und gesellschaftlichen Realität besser zu erfassen und zusammen Lösungen für Zielkonflikte zu finden. Austausch und Kooperation können das regionale Gleichgewicht fördern. Die grossregionale Zusammenarbeit erfordert Engagement und Mittel, wenn sie langfristig bestehen und Wirkung entfalten soll.

Die Handlungsräume des Raumkonzepts beherbergen diverse Raumtypen und funktionale Räume. Sie überlappen sich. Die Überlappungsgebiete haben eine Brückenfunktion und weisen auf die räumliche Vernetzung hin. Der zweite Teil des Raumkonzepts zeigt, wie diese grossregionalen Handlungsräume die Strategien des Raumkonzepts Schweiz konkretisieren und welche Prioritäten sie setzen wollen.

Mehrere Handlungsräume, die gemeinsame Ziele oder ähnliche Herausforderungen haben, können vielversprechende Lösungsansätze von einem Gebiet auf das andere übertragen. Lebensqualität, Demografische Entwicklung, sozialer Zusammenhalt und gemeinsame Identität, Tourismus, Wirtschaft, Klimawandel, Umwelt, Energie oder Verkehr sind mögliche Themen für die Kooperation. Räume mit vergleichbaren Herausforderungen sind etwa Handlungsräume, die einen städtischen Ballungsraum umfassen, solche, die durch ein Netz kleiner und mittlerer Städte charakterisiert sind, aber auch jene, die auf dem Alpenbogen liegen oder die Landesgrenze überschreiten. Grenzübergreifende Handlungsräume stehen vor speziellen Herausforderungen, denn sie sind von gegenseitigen Abhängigkeiten und unterschiedlichen politisch-administrativen Strukturen und Rahmenbedingungen geprägt.

Der Klimawandel erfordert eine Koordination der räumlichen Massnahmen in den grossräumigen Handlungsräumen, sei es bei der Prävention von Naturgefahren, dem Schutz der natürlichen Lebensräume und deren Vernetzung oder für Konzepte, die zur Minimierung des Klimawandels beitragen, beispielsweise in den Bereichen Raumnutzung, Mobilität und Energie.  

In allen Handlungsräumen gibt es Gebiete, die ein starkes Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum verzeichnen. Sie haben mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum, an geeigneten Industrie- und Gewerbezonen und an Infrastrukturflächen zu kämpfen. Dies betrifft nicht nur städtische Ballungsräume, sondern alle Arten von Zentren, auch in alpinen Tourismusgebieten. Mit Entwicklungsstrategien in Handlungsräumen können sie ihre räumliche Komplementarität und das Potenzial für die Siedlungsentwicklung nach innen ausschöpfen. 

Auch die Planung von Energieversorgung, Mobilität und Güterverkehr braucht eine grossräumige Betrachtung. Energieproduktion und -speicherung sind von spezifischen räumlichen Gegebenheiten abhängig. Sie befinden sich nicht selten in einem anderem Handlungsraum als die Verbraucherinnen und Verbraucher. In ähnlicher Weise ist für Verkehrsträgerübergreifende Strategien und für die bedarfsgerechte Verknüpfung von Mobilitätsangeboten ein Betrachtungsrahmen nötig, der weit über die bestehenden Gebietskörperschaften hinausgeht. Die Handlungsräume ermöglichen diese gemeinsame Vorstellung von der zukünftigen Entwicklung im grossräumigen Kontext.

  • Funktionale Räume definieren sich durch starke räumliche und funktionale Verflechtungen. Sie stimmen nicht immer mit Gemeinde- oder Kantonsgrenzen überein und gehen über die Landesgrenze hinaus. Sie halten sich auch nicht an Sprachgebiete. Funktionale Räume gibt es auf allen Massstabsebenen, von urbanen Regionen mit internationaler Dimension bis hin zu ländlichen Talschaften. Sie sind durch eine räumliche Einheit, gemeinsame Herausforderungen und ein Interesse an Kooperation verbunden, etwa bei Verkehrs-, sozialen, Umwelt- oder Landschaftsfragen.

    «Funktionaler Raum» im Glossar
  • Die Handlungsräume des Raumkonzepts Schweiz sind grossregionale Kooperations- und Willensräume. Sie überlagern sich gegenseitig, überschreiten Kantonsgrenzen und reichen über die Landesgrenze hinaus. Die zwölf Handlungsräume bestehen durch den politischen Willen, Herausforderungen gemeinsam anzugehen und Synergien zu nutzen.

    «Handlungsraum» im Glossar
  • Raumtypen sind geographische Einheiten, die aufgrund äusserer Rahmenbedingungen wie Klima, Höhenlage, Zentralität, Wirtschaftsstruktur oder Demografie eine spezifische Raumstruktur aufweisen. So gibt es urbane Räume mit kompakten Agglomerationen und einer hohen Erschliessungsqualität und ländliche Räume mit einer lockeren Bebauung und einem hohen Anteil an Landwirtschaftsflächen, Hügelzüge mit verstreuten Siedlungen und grossen Waldgebieten oder Naturräume weitab des Siedlungsraums. Der Raumtyp beeinflusst die Wahl der Ziele und Strategien für die räumliche Entwicklung.

    «Raumtyp» im Glossar
  • Ein grosses alpines Tourismusgebiet ist ein ausgedehnter, zusammenhängender Raum in den Alpen, in dem sich eine hohe Anzahl touristischer Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen konzentrieren. Das alpine Tourismusgebiet hat hohe Übernachtungszahlen und liegt auf einer Höhe von mindestens 1'000 m ü. M. Ein Gebiet kann eine oder mehrere zentrale Ortschaften beinhalten. Im Raumkonzept Schweiz sind auch ausländische Tourismusorte in grenzüberschreitenden Tourismusgebieten verzeichnet.

    «Grosses alpines Tourismusgebiet» im Glossar

Handlungsansätze

  • Denken und planen in Handlungsräumen; wirtschaftliche, zivilgesellschaftliche und private Akteurinnen und Akteure einbeziehen; Strukturen für die Zusammenarbeit schaffen oder konsolidieren
  • Eigene Stärken erkennen und nutzen; gesamtheitlich denken und partnerschaftlich handeln; massgeschneiderte Lösungen in funktionalen Räumen planen
  • Bei wichtigen Weichenstellungen in der Raumentwicklung grenzüberschreitend zusammenarbeiten; den Dialog und die Kooperation überregional und über staatliche Ebenen hinweg organisieren

Länderübergreifende Regionen

Die Grenzregionen der Schweiz enthalten grenzüberschreitende Stadtregionen, polyzentrische Städtenetze über die Landesgrenze hinweg, Regionen unter dem Einfluss europäischer Metropolen, länderübergreifende ländliche Regionen und Berggebiete. Einige sind dynamisch und wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Schweiz. Andere beherbergen wertvolle Erholungs- und Landschaftsräume. In den Grenzregionen bestehen seit Jahrzehnten gewachsene Kooperationen und wirtschaftliche, wissenschaftliche, kulturelle und zivilgesellschaftliche Verflechtungen. Grenzregionen erschliessen sich ihr Potenzial durch eine gemeinsame Entwicklung. Die Kooperation mit Nachbarregionen und Nachbarländern braucht Willen von allen Beteiligten. Institutionelle, kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede erfordern für jede Region eine massgeschneiderte Zusammenarbeit. Im Gegenzug bietet die Kooperation über die Landesgrenze hinweg Chancen für besondere Lösungen, die aus geteilter Erfahrung, Kultur und Sprache hervorgehen. 

Wirtschaftliche Gegebenheiten sind oft die treibende Kraft für die räumliche und demographische Entwicklung. Wir fördern grenzüberschreitende Strategien und Projekte, die diesen Regionen eine eigene Identität verleihen und es ihnen ermöglichen, ihre Anliegen diesseits und jenseits der Grenze zu vertreten. Dies gilt sowohl für urbane als auch für ländliche Regionen und Berggebiete.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist in der Schweiz keine Ausnahme, sondern Alltag und eine Notwendigkeit. Die Mehrheit der Kantone grenzt an ein Nachbarland. In diesen Grenzregionen erwarten sowohl die Wirtschaft als auch die Bevölkerung grenzüberschreitende Lösungen für Alltagsfragen. Auch die Naturräume machen nicht an der Grenze halt. So überspannt der Alpenbogen mehrere Länder, welche die Herausforderungen in diesem Raum gemeinsam angehen.

Die Schweiz liegt mitten in Europa und packt Herausforderungen gemeinsam mit den Nachbarregionen an. Sie ist Teil der räumlichen Entwicklung Europas und in die europäischen Entwicklungsprozesse integriert. Wir stimmen uns mit den Nachbarländern ab, indem wir über die Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten.

  • Regionen sind zusammenhängende Gebiete, die sich durch ihre geographische Lage, die Topografie, die Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur sowie ihre kulturelle oder sprachliche Einheit charakterisieren. Die regionalen Eigenschaften sind ausschlaggebend für die gemeinsame Identität, für Besonderheiten, Prioritäten und die Stärken einer Region. Sie bilden die Grundlage für regionale Zusammenarbeit und für die Ausprägung spezifischer Wirtschaftscluster. Eine Region umfasst mehrere funktionale Räume und eine Vielzahl von Raum- und Landschaftstypen – städtische, ländliche, multifunktionale, grenzüberschreitende, offene, bewaldete und viele andere mehr. Innerhalb einer Region bestehen In der Regel enge Verbindungen zwischen Stadt und Land oder zwischen Berg und Tal.

    «Region» im Glossar

Handlungsansätze

  • Regionale Besonderheiten ungeachtet von nationalen Grenzen als kulturelles, wirtschaftliches und gesellschaftliches Potenzial nutzen; die gemeinsame Identität und den Austausch pflegen
  • Die Kooperation mithilfe von länderübergreifenden Strategien und Projekten konsolidieren und institutionelle Unterschiede überbrücken; gemeinsam Lösungen für Alltagsfragen der Bevölkerung und Wirtschaft suchen; grenzüberschreitend Naturräume und -werte schützen
  • Räumliche und organisatorische Vernetzung mit den benachbarten Regionen und europäischen Ländern sicherstellen

Karte zu Strategie 1

Kooperationen und Partnerschaften zwischen Zentren
Handlungsräume
Agglomeration
Grosse, mittlere, kleine Zentren
Zentrum eines grossen alpinen Tourismusgebiets
Regionalzentrum
Siedlungsraum
Landesgrenze
Natürliche Lebensgrundlagen sowie eine hohe landschaftliche und bauliche Qualität sichern
Natürliche Lebensgrundlagen sowie eine hohe landschaftliche und bauliche Qualität sichern
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Natürliche Lebensgrundlagen sowie eine hohe landschaftliche und bauliche Qualität sichern

Wir sichern die natürlichen Lebensgrundlagen in allen Regionen und integrieren den Ansatz der Resilienz in die Raumentwicklung. Wir entwickeln Siedlungen qualitätsvoll nach innen, bremsen die Zersiedelung und vernetzen offene und bebaute Landschaften.

Die zweite Strategie befasst sich damit, wie wir die Grenzen natürlicher Ressourcen, den Klimawandel und den Biodiversitätsverlust in die Weiterentwicklung von Siedlungen und von unbebauten Landschaften einbeziehen wollen. Wir setzen auf eine hohe Baukultur, dichte Quartiere und urbane Ortskerne. Offene Landschaften und Gewässer wollen wir weitgehend intakt erhalten und sie mit bepflanzten oder unversiegelten Flächen innerhalb der Siedlungsräume vernetzen. Die Gesamtheit dieser miteinander vernetzten natürlichen und naturnah gestalteten Flächen bildet eine blau-grüne Infrastruktur, die wir den Räumen und dem Kontext anpassen. Diese Infrastruktur unterstützt die Resilienz, also die Widerstandskraft und die Regenerationsfähigkeit des Raums. Sie ist essenziell für die ökologischen und sozialen Bedürfnisse und für die Gesundheit der Bevölkerung. Die Entwicklungsstrategien von ländlichen und städtischen Gebieten streben die langfristige Funktionsfähigkeit der Regionen als Lebens- Wirtschafts- und Kulturräume an.

Klima und Widerstandsfähigkeit

Die Klimaerwärmung betrifft alle Räume, erzeugt Ungewissheit und bringt Gefahren von grossem Ausmass mit sich. Deshalb muss der Raum Schweiz resilienter werden. Räumliche Widerstandskraft basiert auf der Fähigkeit einer Region oder eines Ortes, äussere Einwirkungen zu verkraften und zu lernen, mit ihnen umzugehen. Die Raumentwicklung zielt auf eine Transformation, die sowohl die Ökosysteme als auch die heutige und zukünftige Gesellschaft befähigt, Krisen zu überstehen. 

Ländliche und städtische Gebiete gestalten ihr Umfeld so, dass es gelingt, die natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren und aufzuwerten. Sie helfen mit, den Bodenverbrauch, die Klimaerwärmung und das Artensterben zu stoppen. Sie passen sich an den Klimawandel an und schützen ihre Bevölkerung vor Naturgefahren, indem sie räumliche Entwicklungen vorausschauend planen.

Besonderer Schutz gebührt Gebieten wie etwa Mooren, Uferräumen, Wäldern oder ökologischen Hotspots für Tiere und Pflanzen, die den atmosphärischen Kohlenstoff binden und helfen, die Erderwärmung zu beschränken. Kulturen und Nutzungsformen der Land- und Waldwirtschaft werden unter Berücksichtigung der Klimaerwärmung gewählt. 

Die Auswirkungen von Naturkatastrophen lassen sich mit einem integralen Risikomanagement eindämmen. Wir passen die Nutzung des Bodens den wachsenden Risiken durch Naturgefahren an. Im Fokus steht zudem auch die Vermeidung von Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen, land- und waldwirtschaftlichen Kulturen. Schützen wollen wir auch unverzichtbare Einrichtungen und Leistungen, wie etwa die Versorgung mit Strom, Wasser, Lebensmitteln oder medizinischer Hilfe. 

Risikobewusstsein, raumplanerische, technische und betriebliche Massnahmen können Siedlungen vor Naturgefahren bewahren, indem Gefahrenräume weder baulich noch produktiv genutzt werden und für lebensnotwendige Infrastrukturen Redundanzen bestehen. Sich anpassende Räume, wie Schwammstädte oder Schwammlandschaften, die Starkregen aufnehmen, um Wasser bei Hitze abzugeben, tragen dazu bei. Solche Raumstrukturen und Freiflächen müssen wir planen und entschieden sichern. Schutzwälder, Wälder und Gewässerräume gilt es zu erhalten.

Handlungsansätze

  • Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit aller Raumtypen gegenüber den Folgen des Klimawandels, Naturgefahren und weiteren Risiken erhöhen
  • Siedlungsgestaltung und Raumnutzung den Gefahren und Risiken anpassen; Freihalteräume schaffen und Schutzmassnahmen treffen
  • Die Diversität der offenen und bebauten Landschaften und der natürlichen Lebensräume fördern; Grünräume sichern, vernetzen und mit der offenen Landschaft verbinden; die Schutzfunktion des Waldes langfristig gewährleisten

Siedlungsentwicklung nach innen

Siedlungen werden innerhalb des Siedlungsgebiets weiterentwickelt, vorwiegend durch Transformation und Verdichtung im Bestand. Wir dämmen damit die Zersiedelung ein und schaffen in allen Regionen genügend attraktiven Wohn- und Arbeitsraum in gut erschlossenen Dörfern, Agglomerationen und Städten. Gleichzeitig wollen wir die Lebensqualität der Bevölkerung erhalten und verbessern, indem wir urbane Frei- und Grünräume aufwerten, miteinander vernetzen und mit der offenen Landschaft verbinden. 

Städtebau, Architektur und Landschaftsarchitektur schaffen ein lebenswertes, identitätsstiftendes Umfeld, dessen Qualität nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Wirtschaft und den Tourismus elementar ist. Sie sind sowohl einer hohen Baukultur als auch einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. Wir unterstützen einen Städtebau, der vielfältige Agglomerationen mit einer guten Lebensqualität schafft. Er soll mit dem Charakter der Orte unseres Landes im Einklang stehen, die soziale und funktionale Durchmischung unterstützen und genügend Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten bereitstellen. 

Kompakte Siedlungen mit attraktiven und kurzen Wegen für tägliche Besorgungen stärken insgesamt jene Merkmale, die nachhaltige Städte, Quartiere und Dörfer ausmachen. Lebendige Nachbarschaften und stabile sozialräumliche Strukturen entstehen, wenn sich soziale Kontakte entwickeln können. Eine rationelle Ver- und Entsorgung, eine effizient organisierte Mobilität und nicht zuletzt der sparsame Umgang mit dem Boden fördern den Erhalt oder die Entstehung lebendiger Räume. Bei der Siedlungsentwicklung berücksichtigen wir die Bedürfnisse einer diversen und älter werdenden Bevölkerung. Wir fördern Dienstleistungen, Infrastrukturen, öffentliche Räume und Wohnformen, die flexibel sind und unterschiedlichen Lebensstilen gerecht werden. 

Öffentliche Räume wie Parks, Plätze, Dorf- und Quartierstrassen sind das Grundgerüst des Siedlungsgefüges. Sie sind essenziell für die Erholung und Gesundheit der Menschen, fördern Begegnungen, Bewegung und sportliche Aktivität. Unversiegelte Flächen im Siedlungsgebiet dienen der Wärmeregulierung, dem Lärmschutz, der Biodiversität, dem Wasserhaushalt.

  • Der Siedlungsraum umfasst Kernstädte, Agglomerationen und Einzelstädte einschliesslich ihrer Infrastrukturen, Grün- und Freiräume. Der dicht besiedelte Stadtraum liegt innerhalb des Siedlungsraums und entspricht den urbanen Kerngebieten grosser, mittlerer und kleiner städtischer Agglomerationen. Die Unterscheidung zwischen dem dicht besiedelten Stadtraum und dem Siedlungsraum wird durch die Bevölkerungsdichte bestimmt und folgt der statistischen Definition von städtischen Räumen.

    «Siedlungsraum und dicht besiedelter Stadtraum» im Glossar
  • Eine Agglomeration ist ein zusammenhängender funktionaler Raum, der durchgehend dicht besiedelt ist. Sie besteht aus mindestens einem städtischen Zentrum und den umliegenden urbanen sowie suburbanen Räumen. Statistisch sind die Agglomerationen als Räume mit städtischem Charakter definiert. Sie sind in sich eng verwoben und polyzentrisch organisiert. Teilweise umfasst der Agglomerationsgürtel auch bedeutende Nebenzentren. Zahlreiche Agglomerationen unterschiedlicher Grösse entwickeln Agglomerationsprogramme, die über Gemeinde-, manchmal auch über Kantons- oder Landesgrenzen hinaus reichen. Die Programme umfassen Massnahmen, um den Agglomerationsverkehr zu bewältigen. Der Bund fördert die Vorhaben der Agglomerationen mit Beiträgen aus dem Programm Agglomerationsverkehr.

    «Agglomeration» im Glossar

Handlungsansätze

  • Siedlungen nach innen entwickeln, in hoher Qualität erneuern und weiterbauen; dichte Bebauung begünstigen; vielfältige und vor Lärm geschützte Freiräume einfordern, die der Naherholung dienen und an das Klima angepasst sind
  • Die soziale und funktionale Durchmischung der Städte, Quartiere, Siedlungen und Dörfer in allen Regionen stärken; Raum für Bewegung und Begegnung schaffen; Bedürfnis einer vielfältigen und älter werdenden Bevölkerung nach leicht erreichbaren Orten erfüllen
  • Öffentliche Räume städtebaulich wertvoll gestalten
  • Ortszentren stärken; Orte im Einklang mit ihrer Identität erneuern; eine hohe Baukultur fördern; baukulturelles Erbe erhalten und qualitätsvoll weiterentwickeln

Offene Landschaften und natürliche Lebensgrundlagen

Zusammenhängende, natürliche und naturnahe Lebensräume erbringen existenzielle ökologische Leistungen. Deshalb behandelt die Raumentwicklung weitgehend unbebaute Kultur- und Naturlandschaften künftig als ein vernetztes Ganzes, in dem menschliche Nutzungen wie Wirtschaft und Erholung mit den Ökosystemen und dem Klima zusammenspielen. Kulturlandschaften wie etwa Ackerbaugebiete, Weiden oder Rebberge unterstützen den regionalen Landschaftscharakter. Wir wollen sie in ihren unterschiedlichen Ausprägungen erhalten, sorgsam nutzen und umsichtig weiterentwickeln.

Naturlandschaften, die vom Menschen nicht oder nur geringfügig verändert wurden, und naturnahe Kulturlandschaften sowie wertvolle Lebensräume wollen wir bewahren, zum Wohl der Gesellschaft und der Wirtschaft. Die Gebiete umfassen etwa weitgehend unberührte Gebirgslandschaften und beherbergen seltene oder gefährdete Lebensräume. Touristische und energetische Anlagen in der offenen Landschaft gilt es räumlich zu strukturieren und zu konzentrieren.

Zusammenhängende Landwirtschaftsgebiete sind wichtig für die Lebensmittelproduktion, die Attraktivität der ländlichen Räume, die Lebensqualität und die Pflege kultureller Traditionen. Wir wollen sicherstellen, dass die hiesige Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung mit Lebensmitteln leisten kann, indem wir die Fläche, die Qualität und die Fruchtbarkeit der landwirtschaftlichen Böden langfristig erhalten und degradierte Böden aufwerten. Dabei gilt es die Fruchtfolgeflächen, jene Felder mit der besten Bodenqualität, besonders zu schützen. Erosion, Bodenverdichtung und Schadstoffbelastung sind zu vermeiden. 

Auch der Wald hat als artenreiches und anpassungsfähiges Ökosystem wichtige Schutz- und Nutzfunktionen für die Umwelt, die Wirtschaft und die Gesellschaft. Damit die Wälder ihre Leistungen auch unter veränderten klimatischen Bedingungen erbringen können, müssen wir sie erhalten, vor Schäden schützen, naturnah bewirtschaften und vernetzen. 

Agrar- und forstwirtschaftliche Flächen sind einerseits Produktionsbasis und dienen andererseits der Gesellschaft zur Erholung und Bewegung. Sie beherbergen Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten und spielen für die Biodiversität und das Grundwasser eine zentrale Rolle. Dies kann zu Konflikten zwischen Nutzungen oder zwischen Gruppen mit je eigenen Bedürfnissen führen. Wir wollen Interessen abwägen und das Verständnis dieser Gruppen füreinander stärken, damit in den Räumen unterschiedliche Nutzungen und Tätigkeiten neben- und miteinander möglich sind. 

Natürliche und naturnahe See- und Flussräume sollen ihre Funktion als ökologische Kern- und Vernetzungsgebiete der blau-grünen Infrastruktur langfristig erfüllen. Die Ufer von Seen und Flüssen, die in Siedlungsnähe als Naherholungsgebiete dienen, sollen für die Bevölkerung möglichst durchgängig zugänglich bleiben. Die Nutzung ufernaher Flächen ist dabei auf den Arten- und den Hochwasserschutz abzustimmen. Nur wenn die Gewässer über genügend Raum verfügen, können sie essenzielle Ökosystemleistungen erbringen und unterschiedliche Nutzungs- und Schutzansprüche erfüllen. Die Raumentwicklung und ein integrales Wassermanagement tragen zu einem nachhaltigen Wasserhaushalt bei. Genauso wie die offenen Gewässer schützen wir als wichtige Trinkwasserressource auch das Grundwasser.

  • Die alpine Gebirgslandschaft und der Jurakamm befinden sich teilweise oberhalb, teilweise unterhalb der Waldgrenze und sind landschaftlich und ökologisch äusserst vielfältig. Sie liegen überwiegend ausserhalb des Dauersiedlungsgebiets. Extensive Landwirtschaft, Alpwirtschaft – teilweise noch mehrstufig – und historische Weiler prägen die Landschaft. Stellenweise gibt es touristische Infrastrukturen wie Eisenbahnen, Bergbahnen oder Bergstationen. Vereinzelt finden sich auch Gebirgslandeplätze und Energiegewinnungsanlagen. Die alpinen Gebirgslandschaften sind Gebiete in beträchtlicher Höhenlage. Sie umfassen teilweise stark bewaldete Täler, besonders auf der Alpensüdseite. Weiter oben sind sie vegetationsarm. Natürliche Prozesse können weitgehend ungehindert ablaufen. Im Hochgebirge haben Fels, Schutt, Firn und Eis einen grossen Flächenanteil. Die Berggipfel reichen bis weit über 4'000 m ü. M. Gletscherlandschaften prägen das Bild, wandeln sich jedoch im Zuge der Klimaerwärmung. Die Gletscher sind Wasserspeicher, und in den Alpen entspringen mehrere Flüsse und Zuflüsse der Gewässer Europas. Der Jurakamm liegt oberhalb von 1'000 m. ü. M. Die Erhebungen des Jura erreichen eine Höhe von nahezu 1'700 Meter. Der Anteil an Waldweiden und Wäldern ist hoch.

    «Alpine Gebirgslandschaft und Jurakamm» im Glossar
  • Landschaft umfasst den gesamten Raum, wie Menschen ihn wahrnehmen. Die offenen Landschaften hingegen liegen weitgehend ausserhalb des Siedlungsraums. Sie sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Zugleich sind sie Erholungs-, Bewegungs-, Kultur- und Wirtschaftsraum für uns Menschen. Offene Landschaften umfassen unter anderem landwirtschaftliche Nutzflächen, Wälder, vegetationsarme Fels- und Gletschergebiete sowie Freizeit-, Tourismus-, Energie- und Mobilitätsinfrastrukturen. Sie sind dynamische Gefüge, die unverzichtbare Leistungen erbringen und sich aufgrund natürlicher Prozesse oder der menschlichen Nutzung stetig weiterentwickeln. Gemeinhin gelten offene Landschaften als schön, wenn sie vielfältig, strukturreich und gut lesbar sind.

    «Offene Landschaft» im Glossar

Handlungsansätze

  • Natürliche Lebensräume vernetzen, der Biodiversität Entfaltungsmöglichkeiten geben und die blau-grüne Infrastruktur stärken; vielseitige Funktionen von Gewässerräumen erhalten und verbessern
  • Zusammenhängende Kulturland- und Waldflächen schützen und weiterentwickeln; die Fruchtbarkeit der landwirtschaftlichen Böden erhalten und damit einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten; die ökologische Funktion des Kulturlandes und des Waldes gewährleisten
  • Herausragende Natur- und Kulturlandschaften erhalten; den Ausgleich zwischen Schutz und Nutzung des Raums sicherstellen und die Bedürfnisse der Nutzenden aufeinander abstimmen
  • Mit raumplanerischen Massnahmen eine sichere Trinkwasserversorgung und einen nachhaltigen Wasserhaushalt unterstützen

Karte zu Strategie 2

Dicht besiedelter Stadtraum und Siedlungsraum
Multifunktionaler intermediärer Raum
Landwirtschaftsgebiet
Wald
Gletscherlandschaft und Gewässer
Alpine Gebirgslandschaft und Jurakamm
Flachland, Hügel- und Tallandschaft
Landesgrenze
Räume für die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft vorsehen, Mobilität und Energie umwelt- und klimagerecht ausgestalten
Räume für die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft vorsehen, Mobilität und Energie umwelt- und klimagerecht ausgestalten
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Räume für die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft vorsehen, Mobilität und Energie umwelt- und klimagerecht ausgestalten

Wir stimmen Mobilität, Energieversorgung und Raumentwicklung aufeinander ab und gestalten sie gesamtheitlich für einen attraktiven und kreativen Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort Schweiz.

Die dritte Strategie konzentriert sich auf die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft. Das Bevölkerungswachstum, die wirtschaftliche Dynamik und gesellschaftliche Veränderungen fordern Raum- und Infrastrukturen heraus und setzen qualitativ hochwertige Lebensräume zunehmend unter Druck. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, erweitern wir die Kultur und die Praxis der Raumentwicklung. Wir planen gesamtheitlich, gestalten Verfahren effizient und entwickeln integrierte, abgestimmte Lösungen wie Mehrfach- oder temporäre Nutzungen. Die Planung und die Bewirtschaftung des Raums sollen nachhaltig sein und die Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen. Die Strategie zielt auf eine nachhaltige und sichere Energieversorgung und sparsame Energienutzung. Sie fördert die räumliche Koordination von Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, die multimodale Mobilität und ein flächeneffizientes Verkehrssystem, das eine gute regionale und internationale Erreichbarkeit sichert.

Raum für Entwicklung

Das Wachstum der Bevölkerung und der Wirtschaft soll vorwiegend in gut erschlossenen und dicht bebauten Siedlungsgebieten erfolgen. Eine kompakte Bauweise sowie flexible und multifunktionale Gebäude und Anlagen fördern die Flächeneffizienz räumlicher Strukturen. Dies gilt für Entwicklungen in Städten, Agglomerationen, Regionalzentren und Dörfern gleichermassen. Leerstände und Brachen sollen Zwischen- oder Nachnutzungen zugeführt werden. Sie bieten wertvollen Entwicklungsspielraum für unterschiedliche Bedürfnisse. Ein regionales Flächenmanagement hilft, sorgfältig mit den Nutzungsreserven umzugehen, Schadenrisiken zu senken und Schlüsselfunktionen strategisch zu platzieren. Mit effizienten Verfahren, dem frühzeitigen Einbezug von Interessengruppen und der Berücksichtigung von Zielkonflikten schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass Projekte zeitnah realisiert werden können.

Flächen für Produktionsstätten, Gewerbe und Dienstleistungsbetriebe sind in der Planung zentral, denn die Wirtschaft und ihre dynamischen Prozesse sind eine Voraussetzung und massgebende Treiber der räumlichen Gesamtentwicklung. Die Wirtschaft ist auf gute Infrastrukturen, flexible Nutzungen und Entwicklungsmöglichkeiten angewiesen, auch in zentrumsnahen Lagen. Für produzierende Wirtschaftszweige sind kurze Liefer- und Fabrikationsketten attraktiv. Lokale und regionale Cluster von Produktions- und Logistikstandorten vereinfachen Abläufe und erzeugen räumliche wie betriebliche Synergieeffekte. Das Verkehrsaufkommen ist zu lenken, Lärm und unerwünschte Emissionen von Produktionsstandorten sind zu kontrollieren mit Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer Nutzungen wie Wohnen und Freizeit. 

Die Kreislaufwirtschaft braucht geeignete Flächen für die Produktion, die Ver- und Entsorgung von Gütern und um Werkstoffe und Baumaterialien zu rezyklieren oder sie der Wiederverwendung zuzuführen. Besonders prädestinierte Sektoren sind auf eine rasche Umsetzung solcher Bedingungen angewiesen. Die Nähe zu bestehenden Standorten fördert positive Wechselwirkungen und kann helfen, Prozesse zu vereinfachen. 

Der Zugang zu leistungsfähigen Informations- und Kommunikationstechnologien ist für die Standortgunst wichtig – auch in periphereren Räumen. Wir wollen die Grundversorgung in diesem Bereich auch künftig angemessen abdecken. Die Möglichkeit von mobilem Arbeiten und Co-Working kann Dörfer und Quartiere lebendig halten und zu ihrer Attraktivität beitragen.

Die Landwirtschaft steht vor grossen Herausforderungen wie dem Strukturwandel und der Anpassung der Produktion an den Klimawandel. Gleichzeitig muss sie hohen gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht werden. Die Landwirtinnen und Landwirte wenden sich deshalb neuen Zusammenarbeitsformen und erfolgsversprechenden nachhaltigen Wirtschaftsweisen und Produkten zu. Ein reger Austausch zwischen städtischen und ländlichen Gebieten trägt dazu bei, die Lebensmittelkette nachhaltig und gewinnbringend für alle auszugestalten – von der Produktion über die Verarbeitung, den Handel und die Logistik bis hin zum Konsum. 

Durch das Bevölkerungswachstum und soziodemographische Veränderungen steigt die Anzahl der Haushalte und der Bedarf an Wohnraum. Die Verfügbarkeit von Wohnraum ist ein wichtiger Standortfaktor. Es braucht erschwingliche Wohnungen, auch in zentrumsnahen städtischen Lagen und für unterschiedliche Haushaltsformen, um die soziale Durchmischung zu gewährleisten. Deshalb setzen wir uns für kompakte, attraktive und lebenswerte Quartiere im bestehenden Siedlungsgebiet ein und fördern flexible Nutzungen und Ausnutzungsmöglichkeiten. 

Nutzungen im Untergrund – ob für den Verkehr, zur Gewinnung und Speicherung von Energie, für den Abbau von Rohstoffen oder die Trinkwasserversorgung – planen wir sorgfältig und stimmen sie mit den räumlichen Gegebenheiten an der Oberfläche ab. 

Die Schweiz ist eine attraktive Tourismusdestination. Eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus hat positive Effekte auf die Wirtschaft in den Regionen und trägt zu einem ansprechenden Lebensumfeld bei. Es braucht Lösungen, um Nachteile für die lokale Bevölkerung auszugleichen, etwa die Konkurrenz um Wohnraum oder die Beanspruchung der Landschaft. Tourismusgebiete, die durch den Klimawandel stark gefordert sind, können mit innovativen, nachhaltigen Modellen Alternativen zu bislang stark saisonal geprägten Angeboten anbieten.

  • Der Siedlungsraum umfasst Kernstädte, Agglomerationen und Einzelstädte einschliesslich ihrer Infrastrukturen, Grün- und Freiräume. Der dicht besiedelte Stadtraum liegt innerhalb des Siedlungsraums und entspricht den urbanen Kerngebieten grosser, mittlerer und kleiner städtischer Agglomerationen. Die Unterscheidung zwischen dem dicht besiedelten Stadtraum und dem Siedlungsraum wird durch die Bevölkerungsdichte bestimmt und folgt der statistischen Definition von städtischen Räumen.

    «Siedlungsraum und dicht besiedelter Stadtraum» im Glossar
  • Ein grosses alpines Tourismusgebiet ist ein ausgedehnter, zusammenhängender Raum in den Alpen, in dem sich eine hohe Anzahl touristischer Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen konzentrieren. Das alpine Tourismusgebiet hat hohe Übernachtungszahlen und liegt auf einer Höhe von mindestens 1'000 m ü. M. Ein Gebiet kann eine oder mehrere zentrale Ortschaften beinhalten. Im Raumkonzept Schweiz sind auch ausländische Tourismusorte in grenzüberschreitenden Tourismusgebieten verzeichnet.

    «Grosses alpines Tourismusgebiet» im Glossar

Handlungsansätze

  • Siedlungsgebiete effizient nutzen und kompakt weiterentwickeln; gut erschlossene Standorte in allen Regionen gebietsübergreifend planen und gezielt entwickeln; Zersiedelung eindämmen
  • Möglichkeiten ausschöpfen, um genügend Raum für zeitgemässes, bedarfsgerechtes und bezahlbares Wohnen zu schaffen
  • Flächen für innovatives und nachhaltiges Wirtschaften und Arbeiten in gut erschlossenen Siedlungsgebieten aller Regionen verfügbar machen; Tourismusgebiete nachhaltig und zum Wohl der lokalen Bevölkerung weiterentwickeln
  • Raum für industrielle, gewerbliche und landwirtschaftliche Produktion planen; die Versorgung, Entsorgung und Wiederaufbereitung mitdenken und gestalten
  • Verfahren effizient gestalten und variable, multifunktionale oder temporäre Raumnutzungen ermöglichen; Interessensgruppen frühzeitig in die Planung einbeziehen

Energie

Die Energieversorgung steht vor grundlegenden Veränderungen. Um die Umweltbelastung und den CO2-Ausstoss der Energieproduktion zu reduzieren, müssen Wirtschaft und Gesellschaft die Energie so effizient wie möglich nutzen sowie Einspar- und Rückgewinnungspotenziale konsequent ausschöpfen. Damit tragen sie zur Erhöhung der Energieversorgungssicherheit bei. Die Schweiz baut die inländischen erneuerbaren Energien aus und passt die Energieinfrastrukturen den neuen Gegebenheiten an. Die Raumentwicklung hat die Aufgabe, diese Transformation zu begleiten und zu koordinieren und die notwendigen Flächen zur Verfügung zu stellen. Die Stromproduktion soll künftig in erster Linie auf Solarenergie, Wasser- und Windkraft basieren und möglichst dezentral erfolgen. Wärme soll vor allem aus der Umgebung, aus Biomasse oder mit Geo- und Solarthermie gewonnen werden. Die Verfügbarkeit erneuerbarer Energie unterliegt je nach Tages- oder Jahreszeit Schwankungen. Solche Volatilitäten müssen aufgefangen werden, indem die Produktion, die Speicherkapazitäten sowie die Übertragungs- und Verteilinfrastruktur reibungslos zusammenspielen. Die Netzstruktur muss auf die zukünftigen Bedürfnisse der Energieproduktion, der Speicherung und des Konsums ausgerichtet werden. Wir sichern die dafür notwendigen Trassen und Standorte. Die Schweiz ist in die europäischen Energieübertragungsnetze eingegliedert und auf die internationale Vernetzung angewiesen. Wo dies notwendig ist, sind die Engpässe an den Schnittstellen zu den Netzstrukturen der Nachbarländer zu beseitigen. 

Energieinfrastrukturen sind versorgungskritische Anlagen. Deshalb braucht die Schweiz genügend Reserven und Redundanzen. Sie konzipiert und stärkt ihre Infrastruktur, um vermehrt erneuerbare Energie aus inländischen Quellen zu produzieren. Dies erfordert den Aus- und Neubau entsprechender Anlagen an Orten, wo die Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft möglichst gering sind. Vorhandene Möglichkeiten schöpfen wir gezielt aus und planen Ausbauten vor allem im Siedlungsraum und in vorbelasteten Gebieten. Die Anlagen sind gut in das räumliche Umfeld zu integrieren. Die Planung zieht auch die Möglichkeiten zur Sektorkopplung – der Verbindung der Bereiche Elektrizität, Wärme und Mobilität – in Betracht und trägt ortsspezifischen Faktoren und Bedürfnissen Rechnung.

Wir richten den Gebäudepark, die Mobilität und den Energiekonsum von Wirtschaft und Bevölkerung grundsätzlich auf Klimaneutralität aus. Wir nutzen die vorhandenen Potenziale zur Steigerung der Effizienz sowohl in den Städten als auch auf dem Land verstärkt – wie die energetische Gebäudesanierung und die Nutzung des Wärmepotenzials mittels Fern- und Nahwärmenetzen.

  • Landschaft umfasst den gesamten Raum, wie Menschen ihn wahrnehmen. Die offenen Landschaften hingegen liegen weitgehend ausserhalb des Siedlungsraums. Sie sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Zugleich sind sie Erholungs-, Bewegungs-, Kultur- und Wirtschaftsraum für uns Menschen. Offene Landschaften umfassen unter anderem landwirtschaftliche Nutzflächen, Wälder, vegetationsarme Fels- und Gletschergebiete sowie Freizeit-, Tourismus-, Energie- und Mobilitätsinfrastrukturen. Sie sind dynamische Gefüge, die unverzichtbare Leistungen erbringen und sich aufgrund natürlicher Prozesse oder der menschlichen Nutzung stetig weiterentwickeln. Gemeinhin gelten offene Landschaften als schön, wenn sie vielfältig, strukturreich und gut lesbar sind.

    «Offene Landschaft» im Glossar
  • Der Siedlungsraum umfasst Kernstädte, Agglomerationen und Einzelstädte einschliesslich ihrer Infrastrukturen, Grün- und Freiräume. Der dicht besiedelte Stadtraum liegt innerhalb des Siedlungsraums und entspricht den urbanen Kerngebieten grosser, mittlerer und kleiner städtischer Agglomerationen. Die Unterscheidung zwischen dem dicht besiedelten Stadtraum und dem Siedlungsraum wird durch die Bevölkerungsdichte bestimmt und folgt der statistischen Definition von städtischen Räumen.

    «Siedlungsraum und dicht besiedelter Stadtraum» im Glossar

Handlungsansätze

  • Energieversorgung sicherstellen und grundsätzlich auf erneuerbare Quellen ausrichten; eine gute zeitliche und räumliche Abstimmung von Produktion und Bedarf anstreben; Energieeffizienz und Sparpotenzial konsequent ausschöpfen; Gebäudepark, Mobilität und Industrie auf klimaneutrale Energien ausrichten
  • Produktion, Speicherung, Transport und Verteilung umweltfreundlich, ortsspezifisch und landschaftsverträglich ausgestalten; Anlagen bündeln und räumlich gut integrieren
  • Energiesystem gesamtheitlich planen; Produktions-, Transport- und Verteilinfrastruktur aufeinander abstimmen; die inländische wie auch die internationale Vernetzung sicherstellen, inklusive Schnittstellen zwischen Sektoren

Mobilität

Ein effizientes Verkehrssystem ist für die Funktionsfähigkeit des Landes wesentlich. Die Verkehrsinfrastruktur der Schweiz ist verlässlich und zu einem grossen Teil bereits gebaut. Wir sorgen dafür, dass sie funktionsfähig bleibt und sich ganzheitlich weiterentwickelt. Wir fördern mit der Verkehrsplanung kompakte und durchmischte Siedlungsstrukturen, um unterschiedliche und sich wandelnde Mobilitätsbedürfnisse optimal zu erfüllen. Dabei berücksichtigen wir die Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft. 

Infrastruktur und Mobilität müssen sich gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Entwicklungen anpassen und technologische Veränderungen aufnehmen. Wir entwickeln die Verkehrsinfrastrukturen ressourcenschonend und landschaftsverträglich weiter und schaffen gute Rahmenbedingungen für flächeneffiziente Mobilitätsformen. Wir schöpfen die Möglichkeiten der effizienten Nutzung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur aus, um Raum und Kosten für Ausbauten zu sparen. Das heisst zum Beispiel, dass die Auslastung zu unterschiedlichen Tages-, Wochen- und Jahreszeiten möglichst ausgeglichen sein soll, indem die Nutzungen angepasst und Anreize geschaffen werden. Für unverzichtbare Um-, Aus- und Neubauten sichern wir vorausschauend Flächen und schöpfen die Möglichkeiten der Mehrfachnutzung aus. Eine langfristige Verkehrsplanung fördert umweltfreundliche Lösungen und hilft, negative Auswirkungen des Verkehrs auf Raum und Gesundheit zu begrenzen. Wir nutzen Synergien, die sich aus der Bündelung mehrerer Infrastrukturen ergeben. 

Wir wollen die Netzebenen – vom Fern- über den Regional- bis hin zum Nahverkehr – eng miteinander verknüpfen. Zum Nahverkehr zählen wir neben dem Fuss- und Veloverkehr auch Tram, Bus und Seilbahnen. Dank einem eng abgestimmten Netz entsteht ein leistungsfähiges und stabiles Angebot für den Personen- und den Güterverkehr. Das Verkehrsnetz verbindet die Räume und Regionen effizient miteinander, garantiert die Erschliessung und ermöglicht räumlich und zeitlich die bestmögliche Wahl des Verkehrsmittels. 

Mobilität ist multimodal. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen unterschiedliche Verkehrsmittel einfach kombinieren können, um sich bedarfsgerecht fortzubewegen. Verkehrsdrehscheiben können hier eine zentrale Rolle spielen. Wir schaffen Erreichbarkeit, rationelle Transportketten, gute Verbindungen und einen leichten Zugang zu Mobilität für alle, ohne übermässigen Mehrverkehr zu erzeugen. 

In den ländlichen Räumen und den Berggebieten stehen der Strassenverkehr und die Kombination verschiedener Verkehrsmittel im Vordergrund. In dicht besiedelten Räumen, Städten und Agglomerationen bevorzugen wir die Bahn, Tram und Bus oder die Mobilität per Velo und zu Fuss. Damit spielen wir Flächen für den Wirtschaftsverkehr frei, der auf die Strasse angewiesen ist. Wir leisten auch einen Beitrag zur qualitätsvollen Innenentwicklung und zur Gesundheit der Bevölkerung, indem wir Emissionen vermindern und den Lärmpegel senken. 

Darüber hinaus ist die Schweiz auf eine gute Anbindung an das europäische und globale Verkehrssystem angewiesen, durch Schiene, (National-)Strasse, Schifffahrt und Luftverkehr. Die globale Anbindung ist für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft, für den Tourismus und die internationalen Organisationen ein wichtiger Standortfaktor. Die Landesflughäfen tragen massgeblich zur internationalen Vernetzung bei. 

Der Gütertransport soll umweltverträglich verlaufen. Produktivität und Auslastung sind hoch, Leerfahrten werden vermieden. Die Verknüpfung der Verkehrsträger erlaubt es, den Warenverkehr zu kombinieren und die Güterströme über längere Distanzen zu bündeln. Multimodale Umschlagplätze, die schlüssig an die Zentren angebunden sind, sorgen für eine flexible und siedlungsverträgliche Feinzustellung und sichern eine gute Ver- und Entsorgung im urbanen Raum. 

Innovation, Digitalisierung und Automatisierung können einen wichtigen Beitrag zu einer benutzerfreundlichen multimodalen Mobilität leisten. Die Fortschritte der Automatisierung sollen für eine effiziente Mobilität genutzt werden und zu weniger Verkehr führen. Auf neuen Technologien aufbauende Angebotskonzepte können Lösungen für eine nachhaltige Mobilität ermöglichen. Sie tragen beispielsweise dazu bei, die Erschliessung schwach besiedelter Regionen effizienter sicherzustellen.

  • Regionen sind zusammenhängende Gebiete, die sich durch ihre geographische Lage, die Topografie, die Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur sowie ihre kulturelle oder sprachliche Einheit charakterisieren. Die regionalen Eigenschaften sind ausschlaggebend für die gemeinsame Identität, für Besonderheiten, Prioritäten und die Stärken einer Region. Sie bilden die Grundlage für regionale Zusammenarbeit und für die Ausprägung spezifischer Wirtschaftscluster. Eine Region umfasst mehrere funktionale Räume und eine Vielzahl von Raum- und Landschaftstypen – städtische, ländliche, multifunktionale, grenzüberschreitende, offene, bewaldete und viele andere mehr. Innerhalb einer Region bestehen In der Regel enge Verbindungen zwischen Stadt und Land oder zwischen Berg und Tal.

    «Region» im Glossar
  • Der Siedlungsraum umfasst Kernstädte, Agglomerationen und Einzelstädte einschliesslich ihrer Infrastrukturen, Grün- und Freiräume. Der dicht besiedelte Stadtraum liegt innerhalb des Siedlungsraums und entspricht den urbanen Kerngebieten grosser, mittlerer und kleiner städtischer Agglomerationen. Die Unterscheidung zwischen dem dicht besiedelten Stadtraum und dem Siedlungsraum wird durch die Bevölkerungsdichte bestimmt und folgt der statistischen Definition von städtischen Räumen.

    «Siedlungsraum und dicht besiedelter Stadtraum» im Glossar

Handlungsansätze

  • Die Erschliessung aller Regionen und Landesteile gewährleisten; Verkehr, Siedlungsentwicklung, Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum aufeinander abstimmen
  • Möglichkeiten für Nutzerinnen und Nutzer erweitern, Verkehrsmittel flexibel und ihren Stärken entsprechend zu kombinieren; die aktive Mobilität und kurze Wege fördern
  • Bestehende Kapazitäten für den Personen- und Güterverkehr ausschöpfen und strategisch ergänzen; Infrastrukturen gleichmässig auslasten und funktionsfähig erhalten
  • Neue Technologien und Digitalisierung für die Effizienz des Gesamtverkehrssystems nutzen
  • Anbindungen an die europäischen und globalen Verkehrssysteme weiterentwickeln und stärken

Karte zu Strategie 3

Hauptachsen der Verkehrsinfrastruktur
Übertragungsleitung für Strom und Netzknoten oder wichtige Stromproduktionsanlage
Intensität des Verkehrs über kurze Distanzen, Dynamik der Wohn- und Wirtschaftsgebiete  
Grosses alpines Tourismusgebiet
Siedlungsraum
Landesgrenze
Handlungsräume

Handlungsräume

  1. Metropolitanraum Zürich
  2. Trinationaler Metropolitanraum Basel
  3. Espace métropolitain lémanique transfrontalier
  4. Hauptstadtregion Schweiz
  5. Luzern
  6. Città Ticino
  7. Arc jurassien
  8. Aareland
  9. Internationaler Bodenseeraum
  10. Gotthard
  11. Westalpen
  12. Ostalpen

Die Trägerinnen und Träger

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